Samstag, 1. Oktober 2016

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Cromme und Kleinfeld Topmanager üben Kapitalismuskritik

Multiaufsichtsrat Cromme: "Oben werden sie immer reicher, unten herrscht Stagnation"

Führende deutsche Manager haben sich in die Kapitalismusdebatte eingeschaltet. Multiaufsichtsrat Gerhard Cromme spricht von einer "echten Krise", die er ebenso wie Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auf entfesselte Finanzmärkte zurückführt. Beide bekennen sich zur sozialen Marktwirtschaft.

Hamburg/Bremen Deutsche Top-Manager plädieren angesichts der Auswüchse des Finanzkapitalismus für die stärkere Beachtung der Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. "Der Kapitalismus erlebt eine echte Krise. Und es ist eine Vertrauenskrise", sagte Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und Siemens Börsen-Chart zeigen, dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

Der "unvorsichtige Umgang" mit Kapital habe "das Risiko eines Kollapses über Jahre hinweg dramatisch erhöht", sagte Cromme, der zugleich das Geschäftsgebaren vieler Banken kritisierte: "Und wenn etwas schiefgeht, muss der Staat, also der Steuerzahler, einspringen. Das führte zu einem Vertrauensverlust gegenüber der gesamten Finanzwirtschaft."

Zugleich habe der Glaube der Deutschen an die Durchlässigkeit nach oben "in den letzten Jahren gelitten - und zwar zurecht", sagte Cromme. Die Lage der deutschen Mittelschicht werde immer prekärer. Crommes bitteres Fazit: "Oben werden sie immer reicher, unten herrscht im günstigsten Fall Stagnation. Ich glaube fest an das Solidarprinzip unserer Gesellschaft. Dazu müssen auch die Besserverdiener ihren Beitrag leisten."

Auch der Chef des US-Aluminiumherstellers Alcoa Börsen-Chart zeigen, Klaus Kleinfeld, hält nicht viel von Spekulationen auf den Finanzmärkten. Es gebe dort noch zu viele spekulative Elemente, sagte der frühere Siemens-Chef dem "Weser-Kurier" am Samstag. "Bei allem Verständnis für die Bedürfnisse der Kapitalmärkte halte ich viel davon, sie so weit wie möglich mit der Realwirtschaft zu verschränken", sagte Kleinfeld. Das werde noch viel zu wenig verstanden und diskutiert.

Daraus aber die Schlussfolgerung zu ziehen, dass das Wirtschaftssystem grundsätzlich verkehrt sei, sei grundfalsch. Es gebe kein besseres System als das Modell der sozialen Marktwirtschaft. "Wir sollten uns dafür einsetzen und klar machen, dass dies nichts mit Turbokapitalismus zu tun hat." Die Zeit eines übersteigerten, auf schnelles Reichwerden ausgerichteten Wirtschaftens sei vorbei, sagte Kleinfeld.

ak/dapd

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