Montag, 17. Dezember 2018

FDP Liberté Kubicki macht Internet-Kampagne offiziell

FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki: Im Einsatz auch im Vorfeld des Saar-Wahlkampfs
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FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki: Im Einsatz auch im Vorfeld des Saar-Wahlkampfs

Es war Verzweiflung vor der Wahl im Saarland: Frustrierte FDP-Mitglieder haben im Internet eine Kampagne ohne ihre Partei-Oberen gestartet. Via Facebook grassiert die liberale Selbstfindung nun - und plötzlich kommt die Parteiführung nicht mehr an der unkontrollierten Internetbewegung vorbei.    

Hamburg - Monatelang sind der FDP die Wähler davongelaufen, die Partei schien ungebremst in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Dann flogen die Liberalen auch noch aus der schwarz-grün-gelben Koalitionsregierung im Saarland, so dass im März Neuwahlen in dem kleinen Bundesland an der Grenze zu Frankreich nötig werden. Und auch da sind die Perspektiven eher bescheiden: Rund 2 Prozent der Stimmen kann die FDP nach Umfragen derzeit auf sich vereinen. Doch plötzlich scheint zumindest ein bisschen Bewegung in die Partei gekommen zu sein, die zuletzt so oft das Bild von Agonie vermittelte.

Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki wird auf der morgigen Landesvertreterversammlung ein Wahlkampfplakat enthüllen, das als Teil der neuen FDP-Wahlkampagne im Saarland schon im Vorfeld für Aufsehen sorgt. Denn es ist nicht von Parteistrategen entworfen worden, die sonst in fast allen hiesigen Parteien über Wahlplakate urteilen. Und auch keine bezahlte Werbeagentur hat versucht, irgendwie für Aufsehen zugunsten der FDP zu sorgen. Das Plakat mit der Aufschrift "Liberté statt Lafontaine" ist das Ergebnis einer unkontrollierten Facebook-Welle.

Rund 820 Fans hat die Facebook-Seite "FDP Liberté" derzeit, auf der offenbar insbesondere FDP-Mitglieder über den Zustand der kleinen Partei klagen. Und darüber, wie weit sie sich aus ihrer Sicht von der Idee des Liberalen entfernt hat. Der Frust schlägt sich jetzt auch eben auch in Wahlplakt-Vorschlägen für die anstehende Saar-Wahl nieder - teils gar in selbstironischer Weise: Ein Plakat-Vorschlag der Internetgemeinde zeigt etwa einen großen, gelben Fußbodenaufkleber mitten in einer Bahnhofshalle. Die Aufschrift: "Hier können Sie mal so richtig auf der FDP rumtrampeln."

Mittlerweile ist auch die Parteiführung der FDP auf die grassierende Internetkampagne aufmerksam geworden. FDP-Bundesgeschäftsführerin Gabriele Renatus hat sich, so verlautet aus Parteikreisen, vorsichtshalber schon einmal das juristische Okay dafür eingeholt, den Slogan "FDP Liberté" ausschlachten zu dürfen - und alles, was so damit im Zusammenhang steht. Geadelt wird die Internetbewegung allerdings schon morgen, wenn der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki das "Liberté statt Lafontaine"-Großflächenplakat im Cloef Atrium in Mettlach auf der Landesvertreterversammlung der Saar-FDP offiziell enthüllen wird.

Mit im Saal wird dann auch der Erfinder der Facebook-Schreiberei sein, der Binger Kommunikationsberater und FDP-Mitglied Hasso Mansfeld. Die Idee für das Internetdiskussionsforum sei ihm im Gespräch mit der Saar-Kommunalpolitikerin Nathalie Zimmer gekommen, die zusammen mit dem Landesvorsitzenden Oliver Luksic ihre Partei in den Saar Wahlkampf führen soll. "Die Facebook-Aktion soll aber die Diskussion über liberale Werte befeuern, weit nachdem die Wahl im Saarland gelaufen sein wird" sagt Mansfeld. Ganz ohne zumindest indirekter Beteiligung von Partei-Spitzenkandidaten ist die FDP-Facebook-Welle also nicht entstanden.

Mansfeld selbst hatte in den 90er Jahren mit einem großangelegten Paketversand für Aufsehen gesorgt, der ostdeutsche Lebensmittel auch im Westen populär machen sollte. Der Slogan damals: "Ab heute wird zurückgeschickt - Ostpakete für den Westen" in Anspielung auf jene Weihnachtspakete, die nicht wenige Westdeutsche ihren Verwandten in der damaligen DDR schickten. Gepackt mit Waren wie etwa Kaffee oder Schokolade, die seinerzeit im Osten knapp oder nicht in vergleichbar guter Qualität zu haben waren.

kst

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