Montag, 19. November 2018

Lobby-Arbeit Warum der deutsche Mittelstand hinterher hinkt

Einflüstern: In Deutschland ist der direkte Draht von Mittelständlern zu den Politikern vergleichsweise dünn ausgeprägt

Es fehlt den deutschen Mittelständlern an Selbstvertrauen, sagt Hubert Koch, Experte für Lobbyarbeit. Und das ist ein Fehler - denn Politik betrifft alle. Umso wichtiger ist es, dass Feld nicht nur den Großunternehmen zu überlassen.

mm: Braucht der deutsche Mittelstand Lobbying?

Koch: Ja, Lobbying ist auch für Mittelständler sinnvoll, schließlich sind sie von Gesetzen und Verordnungen direkt betroffen und insofern gezwungen, ihre Interessen zu wahren. Meine Erfahrungen zeigen, dass gerade mittelständische Unternehmer viel bewegen können, da sie authentisch wirken. Sie sind deshalb für Politiker geschätzte Gesprächspartner. Diese sind auf den Sachverstand aus Unternehmen angewiesen, da ihnen das persönliche Fachwissen in vielen Themenbereichen fehlt. Viele Entscheidungen mit negativen Auswirkungen für Unternehmen entstehen ganz unbewusst, einfach, weil niemand aus der Praxis den Entscheidern die Auswirkungen aufgezeigt hat. So gesehen ist Public Affairs aktives Risikomanagement.

mm: Mein Eindruck ist es, dass die großen Unternehmen Lobbyarbeit ernst nehmen, die kleinen nicht. Was meinen Sie? Und woher kommt so eine Einstellung?

Koch: Erstens fehlt es vielen kleinen und mittleren Unternehmen an Selbstvertrauen. Sie glauben, dass ihre Meinung "in Berlin" nicht zählt. Zweitens ist in vielen Unternehmen das nötige Know-How nicht vorhanden. Angesichts oft unübersichtlicher Strukturen und Prozessen, in denen auch ganz andere Regeln gelten als in der Wirtschaft, ist die richtige Herangehensweise unklar. Drittens verlassen sich viele Unternehmen ausschließlich auf ihre Branchenverbände. Dabei wird verkannt, dass deren an sich gute Arbeit oft darunter leidet, dass sie branchenintern unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen müssen. Darunter leidet oft die Klarheit der Position und damit die Schlagkraft.

Kleinen und mittleren Unternehmen, die unter einer geplanten Gesetzgebung zu leiden hätten, ist dringend zu empfehlen, sich selbst politisch zu artikulieren. Dabei kann es die Effizienz deutlich erhöhen und die Kosten senken, wenn sich die Unternehmenslenker professionell beraten lassen.

mm: Hinken Deutschlands Unternehmen im internationalen Vergleich hinterher?

Koch: Der Eindruck täuscht nicht, wenn man Vergleiche mit den USA, aber auch mit Ländern wie Frankreich oder Italien anstellt. Die Unternehmer in diesen Ländern sind oft politisch präsenter.

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