Freitag, 14. Dezember 2018

Neue Schule Wolfsburg "Es geht um mehr als um eine Spitzennote"

Lernen in der Schule: Die "Neue Schule Wolfsburg" arbeitet mit kleinen Lerngruppen, ist international ausgerichtet und als Gesamtschule organisiert

Die von VW geförderte "Neue Schule Wolfsburg", die als private Ganztagsschule den Fokus auf Begabtenförderung und Internationalität legt, kann sich vor Anmeldungen kaum retten. Gründerin Helga Boldt erklärt, was die Neue Schule zu bieten hat - und was gute Schulbildung heute leisten muss.

mm: Frau Boldt, Sie haben weit mehr Bewerbungen als Plätze für neue Schulkinder. Welche Träume wollen Eltern sich bei Ihnen erfüllen?

Boldt: Um hochfliegende Träume geht es meist gar nicht. Eltern stellen sich als erstes die Frage: Was ist das Beste für mein Kind? Und die Kinder gehen sehr unterschiedlich an das Lernen heran, ihre Interessen und Fähigkeiten, auch ihre Lerngeschichten unterscheiden sich - oft sogar innerhalb derselben Familie. Viele staatliche Schulen können auf diese Unterschiede noch zu wenig eingehen. Eltern suchen Schulen, in denen die Besonderheit des eigenen Kindes gesehen und das jeweilige Begabungspotenzial entfaltet werden kann.

mm: Was machen Privatschulen denn anders?

Boldt: Privatschulen sind keine homogene Gruppe; sie unterscheiden sich sehr in ihren Profilen. Die Neue Schule Wolfsburg arbeitet mit kleinen Lerngruppen, fördert Begabungen individuell, ist international ausgerichtet und als Gesamtschule organisiert, weil wir Kinder nicht bereits mit zehn Jahren auf einen Bildungsabschluss festlegen wollen. Wir arbeiten bewusst in heterogenen Lerngruppen, legen viel Wert auf ein soziales Miteinander und versuchen, so viele individuell passende Angebote zu machen wie möglich. Gerade deshalb können wir auch gut auf Kinder und Jugendliche eingehen, die in sehr unterschiedlichen sprachlichen, sozialen und kulturellen Umfeldern sozialisiert sind.

mm: All diese Bildungsziele lassen sich vermutlich nicht erreichen, wenn Schülerinnen und Schüler mittags um eins nach Hause gehen, oder?

Boldt: Deshalb sind wir Ganztagsschule aus Überzeugung. In immer mehr Familien üben beide Elternteile anspruchsvolle und zeitintensive Berufe aus und müssen daher einen Teil der Erziehungsverantwortung an die Schule delegieren. Wir nehmen diese Herausforderung an und sind deshalb auch ein guter Lernort für Kinder und Jugendliche, die spezielle Unterstützung beim sozialen und intellektuellen Lernen benötigen. Ein Unterschied zu vielen anderen privaten Schulen: es wird kein Schulgeld erhoben, fast alle Eltern sind aber im Förderverein der Schule organisiert und tragen mit ihren Möglichkeiten zu einer guten Ausgestaltung des schulischen Lebens bei.

mm: Die Schullandschaft differenziert sich immer weiter aus, auch die staatlichen Schulen bemühen sich zunehmend um Profilbildung. Wie finden Eltern heraus, welche Schule zu ihrem Kind passt?

Boldt: Schon die ersten Schritte in eine Schule hinein geben Aufschluss über ihre Atmosphäre. Die Arbeitsergebnisse, die in Fluren oder Freiflächen ausgestellt werden, zeigen z.B. wie dort gelernt wird und ob auch das Nachdenken über das Lernen zum Lernen gehört. Haben alle Schülerinnen und Schüler den gleichen Text geschrieben oder das gleiche Bild gemalt oder konnten unterschiedliche Kinder auch unterschiedliche Wege gehen? Gibt es geeignete Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Klassenräume und sind auch in den Klassenräumen unterschiedliche Formen des Lernens möglich? Erkennt man, dass die Schule ein selbstgestalteter Lebensraum der Schülerinnen und Schüler ist? Ist die Anerkennung guter Lernergebnisse sichtbar? Wurde der Schulraum mit Sorgfalt gestaltet? Und kommt auch das gesunde Essen und Trinken nicht zu kurz?

Diese ersten Eindrücke sind sehr aussagestark. Außerdem geben die meisten Schulen auf ihrer Homepage Auskunft über ihre unterrichtlichen Schwerpunkte und pädagogischen Haltungen oder laden zu Informationsveranstaltungen ein. Auch diese Informationsquellen sollten Eltern nutzen. Aber sie sollten sich auch über ihre Ziele und die Interessen ihres Kindes Klarheit verschaffen! Wer nur seine eigenen, manchmal auch übersteigerten Erwartungen in das eigene Kind projiziert, wird leicht enttäuscht werden und gibt diese Enttäuschungslast an das Kind weiter.

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