Freitag, 23. Juni 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Occupy Deutschland Verbitterter Finanzprotest erreicht Bundesrepublik

Die Hacker-Gruppe Anonymous hat eine führende Rolle bei den Protest-Bewegungen in den USA übernommen - Ihr Symbol tragen viele Demonstranten

Die Anti-Wall-Street-Proteste kommen nach Deutschland: ins Frankfurter Bankenviertel, vor das Kanzleramt in Berlin und auf die öffentlichen Plätze in 48 weiteren deutschen Städten. Wer hinter den geplanten Demonstrationen steckt - und was die Aktivisten erreichen wollen.

Hamburg - Es ist verdächtig ruhig in Deutschland. Während wütende Amerikaner die Wall Street stürmen, die Griechen ihre Ministerien besetzen und die Spanier ihre öffentlichen Plätze blockieren, bleiben die Deutschen friedlich zu Hause.

Die meisten sehen keinen Grund, auf die Straße zu gehen. Noch brummt die Wirtschaft, und die Arbeitslosigkeit ist niedrig: Bis Ende des Jahres sollen in Deutschland konstant weniger als drei Millionen Menschen arbeitslos sein. Auch fürchten deutsche Häuslebauer nicht, dass die Bank ihr Heim pfändet, wie es etwa die amerikanischen Eigenheimbesitzer tun. Deutsche Jugendliche sind nicht zu 40 Prozent arbeitslos wie in Spanien. Und sie müssen nicht hilflos zusehen, wie ihr Land unter den Folgen jahrzehntelanger Misswirtschaft zusammenbricht, wie es die Griechen gerade erleben. Probleme, so scheint es, haben die anderen.

Doch könnte es mit der Ruhe vor den Frankfurter Bankenzentralen und im Berliner Regierungsviertel bald vorbei sein. Denn es ist nicht so still und friedlich in Deutschland, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch hierzulande gärt die Wut auf vermeintlich gierige Banker, die Frustration angesichts hilfloser Politiker, die die Finanzmärkte nicht in den Griff bekommen - und die Angst vor der nächsten großen Wirtschaftskrise. Wer die deutschen Revoluzzer sucht, muss online gehen. Der Protest formiert sich im Internet, bevor er auf die Straße getragen wird: So war es auch bei den Protesten in New York, dem großen Vorbild der hiesigen Online-Protestler; dort bereitet sich die Protestwelle quer durch die USA aus.

Mobilisierung über das Internet

"Wir wussten schon seit Monaten, dass am 17. September die Aktionen auf der Wall Street losgehen würden", sagt Sebastian, ein Aktivist der Frankfurter Aktionsgruppe Indignados, die sich im Mai aus Solidarität mit spanischen Demonstranten gegründet hat. Seinen vollen Namen will er nicht veröffentlicht sehen. "Die klassischen Medien, die Politiker und Banker haben die Mobilisierung über das Internet allerdings nicht mitbekommen. Oder sie hätten nicht erwartet, dass sich tatsächlich so viele dem Protest anschließen."

Genauso könnte es am Samstag den Bankern und Politikern in Frankfurt am Main und Berlin gehen: Am 15. Oktober soll sich der Protest von der Wall Street über die ganze Welt ausbreiten - auch ins gemütliche Deutschland. "Alle schauen jetzt auf die Wall Street, aber der eigentliche Impuls für die Proteste ging von Spanien aus", stellt Indignados-Aktivist Sebastian klar. Es sind die spanischen Aktivisten von "Democracia Real", die Vorbild für die Wall Street-Aktivisten waren. Sie waren es auch, die für Samstag zu weltweiten Protesten aufgerufen haben.

Seite 1 von 3
Nachrichtenticker

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH