Freitag, 23. Juni 2017

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Autokauf Neues Ökolabel erzürnt ADAC und Umweltschützer

Ökologisch korrekt? Auch Spritfresser können sich für ein A der neuen Energieverbrauchskennzeichnung qualifizieren
[M] mm.de; PR; Porsche
Ökologisch korrekt? Auch Spritfresser können sich für ein A der neuen Energieverbrauchskennzeichnung qualifizieren

Der Weg für die umstrittene Energieverbrauchskennzeichnung für Neuwagen ist frei. Das Bundeskabinett hat ein Gesetz gebilligt, nach dem Autos beim Händler ab Dezember ein Ökolabel tragen müssen. Weil Geländewagen teils besser wegkommen als spritsparende Autos, schäumen Umweltschützer.

Berlin/Hamburg - Neuwagen müssen in Deutschland ab Dezember mit einem umstrittenen Ökolabel für den Spritverbrauch gekennzeichnet werden. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch die Neufassung der sogenannten Pkw-Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung. Diese tritt zum 1. Dezember 2011 in Kraft, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte.

Nach der neuen Vorschrift müssen bei Neuwagen nicht nur wie schon jetzt die Verbrauchswerte und der CO2-Ausstoß angegeben werden. Zusätzlich gebe eine "neue farbige CO2-Effizienzskala Auskunft darüber, wie effizient das Fahrzeug verglichen mit anderen Modellen der jeweiligen Klasse ist", sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Wie schon bei Kühlschränken üblich bekommen die Autos rote, gelbe oder grüne Schilder, um den Verbrauch zu beschreiben.

Umweltverbände und der ADAC kritisierten das neue Ökolabel, weil dadurch große Autos wie die beliebten Geländewagen bevorzugt würden. "Das hohe Gewicht dieser Autos wirkt wie eine Art Bonus", sagte der Greenpeace-Autoexperte Wolfgang Lohbeck der Nachrichtenagentur dapd. Der ADAC spricht von "großer Verunsicherung der Autofahrer".

Greenpeace: "Perversion der ursprünglichen Absicht"

Nach der neuen Verordnung werden die grünen Schilder für sparsame Autos nicht etwa an die Autos mit dem niedrigsten Verbrauch vergeben. Statt dessen führte das Ministerium eine komplizierte Rechenformel ein, die das Gewicht des Autos berücksichtigt. Das könnte dazu führen, dass etwa ein 2,5 Tonnen schwerer SUV ein grünes Schild bekommt, ein Kleinwagen von 900 Kilogramm aber rot, auch wenn er deutlich weniger als der SUV verbraucht. "Das ist eine Perversion der ursprünglichen Absicht", sagte Greenpeace-Experte Lohbeck. Der Vergleich läuft so nur innerhalb der eigenen Gewichtsklasse.

Die als SUVs bekannten schweren Geländewagen wie der VW-Tiguan, BMW X5, Mercedes M-Klasse oder Toyota RAV sind das am stärksten wachsende Segment auf dem deutschen Automarkt. SUVs werfen mehr Gewinn ab als vergleichbare klassische Personenwagen oder gar Kleinwagen.

Das Ministerium erklärt dagegen, das neue Pkw-Label mit den Klassen A+ bis G biete "dem Verbraucher eine echte Hilfestellung bei seiner Kaufentscheidung". Die "erhöhte Transparenz der Effizienz" trage zu mehr Wettbewerb "zugunsten der Umwelt bei".

Der ADAC sieht das wie die Umweltschützer anders. "Verbrauchsarme Kleinwagen werden vielfach als 'rot', große Pkw mit hohem Verbrauch als 'grün' gekennzeichnet", sagte Technikexperte Christian Buric der Nachrichtenagentur dapd. Nach Ansicht des ADAC verwirrt das die Verbraucher, die sparsame Autos kaufen wollen. "Der eigentliche Sinn des Labels, über die Energieeffizienz eines Fahrzeugs zu informieren, wird damit ausgehebelt", sagte Buric.

Das neue Pkw-Label enthält künftig auch Angaben zum Stromverbrauch, um so dem Aufstieg der Elektroautos Rechnung zu tragen. Außerdem müssen Angaben zur Jahressteuer und den durchschnittlichen Energieträgerkosten (Kraftstoff und Strom) ausgewiesen werden.

nis/dpad

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