Freitag, 22. März 2019

Energieversorgung Keiner will die CO2-Endlager

CO2 Endlager: Brandenburger wollen nicht als Versuchskaninchen herhalten

Unterirdische CO2-Speicher sollen Kohlekraftwerke vom Klimakiller-Image befreien, damit sie als Ersatz für abgeschaltete Atommeiler dienen können. Doch Kraftwerksbetreiber haben wegen der Verzögerungstaktik der Länder Probleme, die Speichertechnologie rechtzeitig umzusetzen.

Hamburg - Wenn Politiker von Übergangstechnologien für die Energieversorgung sprechen, meinen sie neuerdings nicht mehr Atom-Meiler, sondern Kohlekraftwerke. Bis 2050 soll die deutsche Energieversorgung zu 80 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Geht es nach CDU und SPD, sollen bis dahin fossile Energiequellen wie Kohle und Gas die Lücke füllen, die abgeschaltete Atommeiler in der Energieversorgung hinterlassen.

Doch die deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke gelten als Klimakiller, weil sie jedes Jahr 350 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre pusten. Um das Image der fossilen Dreckschleudern reinzuwaschen, preist die Regierung die CO2-Speichertechnik CCS (Carbon Capture and Storage) als neuesten Wurf in der Klimatechnologie an. Die Idee: Das Treibhausgas Kohlendioxid wird aus Kraftwerks-Abgasen abgesaugt, verflüssigt und schließlich unterirdisch gelagert. Wirtschaftsminister Brüderle will die Umwelttechnik für CO2-Tanks gar zum weltweiten "Exportschlager" machen.

Die Euphorie der Regierung in Sachen CCS-Technologie ist erstaunlich. Denn bisher hat sich die Politik als größtes Hindernis für eine schnelle Umsetzung der Technik erwiesen. Jahrelang warteten Energiekonzerne wie Vattenfall Börsen-Chart zeigen oder RWE Börsen-Chart zeigen vergeblich darauf, dass die Regierung eine EU-Richtlinie zum Ausbau der CCS-Technologie in deutsches Recht umsetzt. Immer wieder scheiterte die Umsetzung an Streitigkeiten zwischen Bund und Ländern über geeignete CO2-Speicherstätten.

Das Problem: Die Bevölkerung fürchtet, dass CO2 aus den Lagern austreten könnte, das Grundwasser versauert und zur Gesundheitsgefahr wird. Im brandenburgischen Test-CO2-Speicher Ketzin hat sich diese Befürchtung zwar bis jetzt nicht bestätigt. Die Landesregierungen stellen sich trotzdem hinter ihre verängstigten Bürger. An dieser Situation wird auch der am Mittwoch vergangener Woche vorgelegte Entwurf des Kabinetts für ein neues CCS-Gesetz nichts ändern. Denn die Länder dürfen demnach selbst entscheiden, ob sie Lagerstätten zulassen oder nicht.

Ohne Speicher lohnen sich die Investitionen nicht

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der sich als einziger Landesminister für CO2-Speicher im eigenen Land einsetzt, kommentierte den Gesetzesentwurf bereits entsprechend kritisch: "Wenn Bundesländer mit Speicherkapazität sich der CCS-Verpressung entziehen können, dann ist das Thema tot."

Das fürchten auch die Energiekonzerne, denn ohne unterirdische Speicher lohnt es sich für sie nicht, in die teure Klimaschutztechnologie zu investieren. RWE Börsen-Chart zeigen wollte in Schleswig-Holstein einen unterirdischen Testspeicher bauen, wurde aber von aufgebrachten Bürgern vertrieben. Vattenfall betreibt seit 2008 eine Pilotanlage zur CCS-Abtrennung in der Lausitz und will spätestens 2015 ein 1,5 Milliarden Euro teures Demonstrationskraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde in Betrieb nehmen. Läuft das Demonstrations-Projekt gut, soll durch den weiteren Ausbau der CCS-Technik der jährliche Ausstoß von 60 Millionen Tonnen CO2 der Vattenfall-Kraftwerke bis 2030 um die Hälfte sinken.

Ohne geeignete Lagerstätten hat die Technik aber keine Chance. "Unser Unternehmen hat die hohen Kosten für das Demonstrationsprojekt Jänschwalde zu stemmen", erklärt Hartmuth Zeiß, Chef der Braunkohlesparte des Konzerns. "Wir profitieren nur bei einer großtechnischen Anwendung des Verfahrens." Das Problem: "Dafür sind die Speichermöglichkeiten in Brandenburg nicht ausreichend."

Je länger Zusagen der Länder für eine Nutzung der unterirdischen Speicher auf sich warten lassen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die CCS-Technik überhaupt jemals im großen Maßstab eingesetzt wird. Das Wuppertal Institut für Klimaforschung wies 2010 darauf hin, dass frühestens 2025 mit dem Bau großtechnischer CCS-Anlagen begonnen werden könne. Bis dahin seien aber auch erneuerbare Energien bereits verfügbar. "Ohne schnellere Entwicklungsfortschritte verliert der Einsatz von CCS für Kraftwerke zunehmend die ihm zugeschriebene Brückenfunktion", so das Fazit der Wissenschaftler.

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