Mittwoch, 14. November 2018

Deutschlands Millionäre Wir da oben - Ihr da unten

Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg: Abgang nach Plagiatsaffäre
Getty Images
Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg: Abgang nach Plagiatsaffäre

2. Teil: Mitarbeiter wie Leibeigene

Vor allem um diesen Karl-Theodor den Älteren geht es in einem Kapitel jenes 1973 erschienenen Buchs, dessen Titel längst zum geflügelten Wort wurde: Ihr da oben - wir da unten. Der mittlerweile verstorbene Spiegel-Redakteur Bernt Engelmann sieht sich in diesem Reportagenband bei den Reichen der alten Bundesrepublik um, bei den Gerlings und Hortens, den Flicks und Oetkers - und eben bei der Familie Guttenberg.

Der junge Undercover-Reporter Günter Wallraff liefert den Gegenschnitt: Er spricht mit den einfachen Arbeitern und Angestellten im Dienst der großen Dynastien. Im Falle der Guttenbergs geht es vor allem um die Mitarbeiter in den Kurbetrieben von Bad Neustadt an der Saale, die damals der Familie Guttenberg gehörten.

Eigentlich seltsam, dass keiner der vielen Journalisten, die über Guttenbergs Auf- und Abstieg sinnieren, jemals auf Engelmanns und Wallraffs damaligen Bestseller gestoßen zu sein scheint.

Die beiden Autoren zeichnen darin das Bild eines Karl-Theodor zu Guttenberg senior, der seine Mitarbeiter wie Leibeigene behandelt, Überstunden nicht bezahlt, Betriebsräte zu verhindern sucht, Lehrlinge als billige Hilfsarbeiter missbraucht und selbst langjährige Beschäftigte wegen kleinster Vergehen feuert. Das adelige Standesbewusstsein zeigt sich vor allem darin, dass sich der Herr Baron bei einer Betriebsfeier vor den Augen der Belegschaft Rehbraten servieren lässt - für alle anderen gibt's Würstchen.

Die Kurbetriebe haben die Guttenbergs längst verkauft. Dennoch bleibt es verblüffend, dass heute niemand mehr den Weg von Engelmann und Wallraff geht und adelige Abstammung und ererbtes Vermögen zunächst einmal als etwas Verdächtiges ansieht.

Wer mit solchem Background in die Politik ging, und das auch noch für die Union, dem wurde in den 70er-Jahren von linken Publizisten unterstellt, dass es ihm vor allem um die Verteidigung seiner spezifischen Oberschichtsinteressen gehe, um die Wahrung von Macht und Mehrung von Vermögen. Heute dagegen gelten Stammbaum und Vermögen der Guttenbergs selbst in einst linken Magazinen wie dem stern als Indiz für materielle und geistige Unabhängigkeit.

Altes Geld als optimale Marschausrüstung für eine Karriere in der Res publica: Sicher kein Zufall, dass Guttenberg nach eigenem Bekunden gerne Platon liest - im altgriechischen Original natürlich.

Lesen Sie weiter:

Seite 2 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH