Dienstag, 19. März 2019

Urteil Leiharbeiter dürfen Löhne länger nachfordern

Bundesarbeitsgericht in Erfurt: Stärkere Stellung für Leiharbeiter

Das Bundesarbeitsgericht hat die Rechte von Leiharbeitern gestärkt. Sie können sich für ihre Lohnnachforderungen länger Zeit lassen als die Stammbelegschaft. Laut Gesetz müssen Leiharbeitnehmer ihre Ansprüche auf gleichen Lohn innerhalb von vier Jahren geltend machen.

Erfurt - Leiharbeitnehmer können in der Regel rückwirkend bis zu drei Jahre Lohnansprüche nach dem sogenannten Equal-Pay-Gebot geltend machen. Kürzere Ausschlussfristen für Lohnnachforderungen der Stammbelegschaft gelten für Leiharbeiter nicht, urteilte am Mittwoch das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen: 5 AZR 7/10).

Ein Entwicklungsingenieur, der über eine Leihfirma bei einem bayerischen Metallbetrieb beschäftigt war, hatte auf die gleiche Vergütung wie die Stammbelegschaft geklagt. Er forderte Nachzahlungen für mehrere Jahre. Laut Manteltarifvertrag für den Betrieb sind Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb von drei Monaten geltend zu machen. Das Gleichheitsgebot beziehe sich auf die wesentlichen Arbeitsbedingungen, zu denen die obersten Arbeitsrichter aber nicht diese Ausschlussfristen zählen.

Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte das Bundesarbeitsgericht der Tarifgemeinschaft Christlicher Zeitarbeitsgewerkschaften die Tariffähigkeit abgesprochen. Der Zeitarbeitsbranche drohen dadurch Nachforderungen nicht nur bei Löhnen, sondern auch bei Sozialbeiträgen. Zehntausende Zeitarbeiter können nach dem Urteil gleiche Entlohnung wie die Stammbelegschaft im Unternehmen einfordern.

kst/afp/dpa

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