Freitag, 14. Dezember 2018

Weber-Nachfolge Weidmann wird neuer Bundesbank-Chef

Jens Weidmann: Der 42-Jährige folgt auf Axel Weber an der Bundesbank-Spitze

Der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Jens Weidmann, wird Nachfolger von Axel Weber an der Spitze der Bundesbank. Der 42-Jährige ist der jüngste Notenbankchef in der Geschichte des Instituts. Vizepräsidentin wird die Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger.

Berlin - Die Spitzen der schwarz-gelben Regierung haben sich auf Jens Weidmann als neuen Bundesbankpräsidenten geeinigt. Vizepräsidentin soll die bei der Bafin für die Bankenaufsicht zuständige Sabine Lautenschläger werden.

Der 42-jährige Weidmann ist der jüngste Notenbankchef in der Geschichte der Bundesbank. Der Spitzenposten wird vorzeitig frei, weil Noch-Präsident Axel Weber Ende April zurücktritt. Die Opposition warnt, ein direkter Wechsel Weidmanns gefährde die Unabhängigkeit der Bundesbank.

Merkel hatte Weidmann Anfang 2006 als ihren Berater ins Kanzleramt geholt. Er gilt als strikter Verfechter einer stabilen Währung. Die tatsächliche Macht der Bundesbank ist seit Gründung der Europäischen Zentralbank aber stark geschrumpft.

Weber, der mit seinem plötzlichen Rückzug mitten in der Euro-Schuldenkrise Merkel in Schwierigkeiten brachte, hatte sich für Weidmann als seinen Nachfolger stark gemacht. "Jetzt ist es Zeit, jüngere Kräfte ranzulassen." Weidmann sei "ein hervorragender Ökonom" und "ein absoluter Profi", sagte Weber im SPIEGEL. Ihm zu viel Nähe zur Politik vorzuwerfen, sei nicht gerechtfertigt.

Weidmann hat Weber bereits im Studium kennengelernt

Weidmann wurde am 20. April 1968 in Solingen geboren und richtete seine Ausbildung nach dem Abitur direkt international aus. Er studierte in Aix-en-Provence, Paris und Bonn Volkswirtschaftslehre. Aus letzterer Station resultiert die Verbindung zu Weber, der auch zweiter Gutachter seiner Dissertation über europäische Geldpolitik wurde.

Seine ersten Bewährungsproben gelangen Weidmann in Afrika. Er arbeitete schon im Studium bei der Zentralbank von Ruanda, später ging er für den Internationalen Währungsfonds zurück in das Krisenland. Auch im Tschad und auf den Kapverden war Weidmann während seines Jobs beim IWF von 1997 bis 1999 im Einsatz. Von 1999 bis 2003 war er Generalsekretär der fünf Wirtschaftsweisen.

Von den fünf Wirtschaftsweisen wechselte Weidmann 2003 zur Bundesbank, wo er die Abteilung Geldpolitik mit ihren rund 20 Mitarbeitern führte. Als Weidmann 2006 mit gerade einmal 37 Jahren von Merkel zum Chefberater für Wirtschaftspolitik erkoren wurde, eilte ihm bereits ein Ruf wie Donnerhall voraus. Die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb damals: "Es gibt in Deutschland nicht viele, die so gut über die Wirtschaftspolitik und das institutionelle Gefüge ihres Landes Bescheid wissen wie Jens Weidmann."

Weidmann hat "mehr Macht als Minister"

Weidmann selbst definierte seinen Regierungsjob so bescheiden, wie sein Auftreten es trotz der Nähe zur Macht über all die Jahre blieb: "Meine Aufgabe ist es allein, die Themen so aufzubereiten, dass sie eine Entscheidungsgrundlage hat", sagte er über seine Funktion für Merkel. Treffender dürfte wohl die Einschätzung der Grünen Finanzexpertin Christine Scheel sein: Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise, als tausende Opel-Arbeiter vor dem Nichts standen, die Hypo Real Estate den Bankensektor in den Abgrund zu ziehen drohte und der Mittelstand wegen einer Kreditklemme ächzte, sagte sie, Weidmann habe "mehr Macht als Minister".

Tatsächlich tüftelte der mit einer Ärztin verheiratete Vater von zwei Kindern damals maßgeblich mit an den im Nachhinein erfolgreichen Lösungskonzepten wie verschiedenen Rettungsschirmen und Konjunkturprogrammen. Weil er sie so überzeugte, machte Merkel Weidmann auch zunächst zu einem Sherpa und dann einer Art Super-Sherpa der Bundesregierung: Nachdem er bereits für die deutsche Vorbereitung der G-20-Gipfel verantwortlich war, übertrug Merkel ihm Ende 2009 auch noch die Vorbereitung der G-8-Gipfel.

Das bedeutet für Weidmann Schwerstarbeit auch während der Gipfel: Er und seine Kollegen mussten in nächtlichen Verhandlungen die entscheidenden Kompromisse finden. Und doch waren die durchwachten Nächte Weidmann selten anzumerken. Wegen seiner Verdienste für Europa in der Finanzkrise ernannte Frankreich Weidmann zum Offizier der Ehrenlegion.

mg/dpa-ax/rtr/afp

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