Dienstag, 28. März 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Rente mit 67 Mehr Menschen über 60 Jahre arbeitslos

Im Alter noch arbeiten: Das wünschen sich heute sicherlich viele Arbeitnehmer, denn wer früher in Rente geht, muss hohe Einbußen seiner Rentenbezüge hinnehmen. In den vergangenen Jahren soll sich die Zahl der Arbeitslosen unter den 60- bis 64-Jährigen aber vervielfacht haben. Die Rente mit 67 dürfte damit weiter politisch heiß umstritten bleiben.

Das Risiko steigt, kurz vor Renteneintritt seinen Job zu verlieren. Denn immer mehr Menschen über 60 Jahre werden arbeitslos, heißt es in einem Bericht unter Berufung auf Zahlen der Arbeitsagentur. Bundesarbeitsministerin von der Leyen bestreitet das. Zugleich sind die Firmen auf ältere Kollegen offenbar schlecht vorbereitet. Der Streit um die Rente mit 67 wird damit härter.

Berlin - Gut ein Jahr vor dem Einstieg in die Rente mit 67 sind in Deutschland einer Studie zufolge immer mehr Arbeitnehmer zwischen 60 und 64 Jahren arbeitslos. Das Risiko, kurz vor Eintritt in den Ruhestand den Job zu verlieren, habe sich in den vergangenen drei Jahren stark erhöht, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit.

So habe sich die Zahl der arbeitslosen 60- bis 64-Jährigen von Oktober 2007 bis Oktober 2010 von 34.500 auf rund 145.500 mehr als vervierfacht. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen widersprach dem am Wochenende und sagte, in Wirklichkeit sei die Zahl der Älteren ohne Job nicht gestiegen. Nur die Statistik müsse seit 2007 ehrlicher sein.

Dem Bericht zufolge stieg die Arbeitslosigkeit bei den über 60-Jährigen unter anderem, weil 2009 die staatliche Förderung der Altersteilzeit auslief und bereits Ende 2007 bestimmte Vorruhestandsregeln wegfielen. Hinzu komme die demografische Entwicklung.

Von der Leyen entgegnete in der "Bild am Sonntag", die über 60-Jährigen seien vor 2007 nicht registriert und auch nicht mehr vermittelt worden. Stattdessen seien sie in Hartz IV verwaltet worden. Jetzt müssten die Jobcenter Ältere in Arbeit vermitteln und in der Statistik als arbeitssuchend ausweisen. Die Zahl der Arbeitslosen über 55 Jahre habe sich im Vergleich zum Jahr 2000 nahezu halbiert. Die Zahl Erwerbstätiger zwischen 55 und 65 Jahren sei von 2005 bis 2009 um mehr als eine Million gestiegen.

Ministerin hält an Rente mit 67 fest

Die Bundesregierung hat bessere Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer zur Voraussetzung für die Rente mit 67 erklärt, die schrittweise von 2012 bis zum Jahr 2029 eingeführt werden soll. Dazu ist ein Regierungsbericht erstellt worden, um der im Gesetz verankerten Überprüfungsklausel nachzukommen.

In dem Reuters vorliegenden Entwurf des Arbeitsministeriums heißt es: "Die Bundesregierung hält an der beschlossenen Anhebung der Regelaltersgrenze fest." Sie sei vertretbar und notwendig. Der Bericht soll am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden. Von der Leyen sagte, an der Rente mit 67 führe kein Weg vorbei. Alternativen wären, die Rente zu kürzen oder die Beiträge für die Jungen drastisch zu erhöhen.

Scharfe Kritik an der Anhebung des Rentenalters erhoben die Gewerkschaften am Wochenende bei Protestkundgebungen gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung in mehreren Städten. DGB-Chef Michael Sommer sagte, die Rente mit 67 müsse auf Eis gelegt werden. Verdi-Chef Frank Bsirske forderte: "Dieses Rentenkürzungsprogramm muss vom Tisch." Die Zahlen zur Beschäftigung Älterer belegten, dass der Einstieg in die Rente mit 67 nicht verantwortbar sei, sagte er.

Unternehmen auf höheres Renteneintrittsalter schlecht vorbereitet

Auch SPD-Vize Olaf Scholz warnte angesichts der neuen Zahlen vor dem Einstieg in die Rente mit 67. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei den über 60-Jährigen sei besorgniserregend, sagte er der Online-Ausgabe des "Hamburger Abendblatt". Offenbar trennten sich immer noch viele Unternehmen entgegen allen anderslautenden Bekundungen von älteren Mitarbeitern.

Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Familienministeriums, dass die Arbeitgeber nur unzureichend darauf vorbereitet sind, dass ihre Mitarbeiter immer älter werden und schon bald bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten müssen. Zwar stuften es 70 Prozent der knapp 400 befragten Personalverantwortlichen als wichtig ein, spezielle Weiterbildungen für ältere Beschäftigte anzubieten. Nur 14 Prozent sagten aber, dass dies bei ihnen geschehe. Auch von 3000 Arbeitnehmern über 50 Jahren gaben demnach 19 Prozent an, dass ihr Betrieb keine Maßnahmen anbiete, um ältere Mitarbeiter einsatzfähig zu halten.

rei/reuters

Nachrichtenticker

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH