Von Lutz Reiche
Derzeit sind etwa 2,34 Millionen Bürger pflegebedürftig, ihre Zahl dürfte sich angesichts der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, sagen vorsichtige Schätzungen voraus. Auch vor diesem Hintergrund hatte die Bundesregierung zuletzt den Einstieg in kapitalgedeckte Pflegeversicherung beschlossen, von einer allgemeinen Verpflichtung dazu aber Abstand genommen.
Zwangslösungen sind nie sonderlich populär. Aber klar ist, dass die Pflegekosten in Zukunft stark ansteigen und ihre Finanzierung zum Problem werden wird. Möglicherweise hat die Politik hier eine große Chance verspielt, zumindest eine Baustelle nachhaltig zu schließen. Denn vor die Wahl gestellt, würden mittlerweile 43 Prozent der Bürger einer verpflichtenden Pflegezusatzversicherung gegenüber einer allgemeinen Beitragserhöhung eindeutig den Vorrang einräumen.
Die Bereitschaft dagegen, sich für den Pflegefall freiwillig zusätzlich abzusichern, ist noch gering ausgeprägt: Insgesamt gerade mal 1,7 Millionen solcher Policen verkaufte die Branche bis Ende 2010.
Der jetzt eingeschlagene Weg in der Pflegeversicherung sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, er reiche aber nicht aus. "Auch die Bürger hätten eine Pflegereform unterstützt, mit der die Herausforderungen an der Wurzel gepackt werden", kommentiert MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg das Ergebnis des Reports.
Grund zur Sorge - vor allem aus Sicht der Mediziner - bereite auch der zunehmende Ärztemangel. Beklagten im vergangenen Jahr lediglich 46 Prozent der Mediziner bundesweit einen Ärztemangel, sind es mittlerweile 65 Prozent. Weitere 23 Prozent rechnen damit, dass es künftig in Deutschland an Medizinern fehlen wird.
Die Studie offenbart hier ein starkes Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland sprechen 69 Prozent der Mediziner von einem Ärztemangel in ihrer Region, im Westen sind es 47 Prozent. In der Bevölkerung selbst scheint dagegen das Problem noch weniger bewusst zu sein. Lediglich 13 Prozent der Bevölkerung klagen über einen Ärztemangel in ihrer Region, rund jeder fünfte Bundesbürger rechnet aber damit.
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