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08.03.2011
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Biosprit-Riese

Brasilien staunt über deutschen Super-GAU

Von Thomas Milz, Rio de Janeiro

Brasiliens Agrosprit: Siegeszug unter dem Zuckerhut
Fotos
dapd

2. Teil: EU schützt sich mit Importsteuer vor Ethanol aus Südamerika

Noch vor einem Jahrzehnt wurde Zuckerrohr mühsam von Arbeitern in Handarbeit geschlagen. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen waren dabei an der Tagesordnung. Doch in den letzten Jahren hat das Arbeitsministerium seine Kontrollen verschärft, dafür gesorgt, dass die gesetzlichen Arbeitszeiten, Löhne und Arbeitsbedingungen auf den Feldern eingehalten werden.

Das Abfackeln der Felder vor der Ernte, das die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigte, ist mittlerweile weitestgehend untersagt und ab 2014 vollständig verboten. Zudem stellen die Produzenten verstärkt auf die kostengünstigere mechanische Ernte um. Wo einst Hunderte von Arbeitern sich unter der sengenden Sonne quälten, übernimmt eine moderne Erntemaschine die Arbeit.

Gerne würden Brasiliens Ethanolproduzenten auch im großen Maßstab nach Europa und besonders nach Deutschland exportieren. Doch bisher erhebt die Europäische Union eine deftige Importsteuer auf den Biosprit. Zudem schreckt die dortige undurchsichtige Zertifizierungspolitik die Exporteure ab. Gleich ein halbes Dutzend verschiedener Modelle werden derzeit in Brüssel diskutiert, mit deren Hilfe man die nachhaltige Produktion von Biosprit gewährleisten will.

Nachhaltigkeitsdebatte als Handelsschranke?

"Auf der anderen Seite importiert die EU Benzin, das sicherlich umweltbelastender ist, ohne Steuern darauf zu erheben," meint der deutsch-brasilianische Unternehmer Ingo Plöger, einst Präsident der deutschen Außenhandelskammer in Brasilien und Leiter des Think Tanks IP Desenvolvimento. "Zudem fragt man nicht, aus welchen Ländern das Benzin kommt, mit welcher Nachhaltigkeit es dort gefördert wird und mit welchen sozialen Komponenten diese Länder ihre Marktwirtschaft betreiben."

In Brasilien sieht man die in der EU geführte Nachhaltigkeitsdebatte deshalb als eine weitere Handelsschranke, mit der man außereuropäischen Agrarprodukte künstlich verteuern will, um die am EU-Tropf hängende heimische Landwirtschaft zu schützen. Nachhaltigkeit habe neben dem Umweltschutz und der sozialen auch eine wirtschaftliche Komponente, die in der von Subventionen freien brasilianischen Landwirtschaft gegeben sei, so Plöger.

Im Gegensatz zum europäischen Agrarsektor - wo Agrarprodukte mit milliardenschweren Subventionen gestützt werden. So wenden sich Brasiliens Exporteure verstärkt Richtung USA, wo die Einführung von Biosprit ganz pragmatisch als ein energiepolitisches Moment angesehen wird. "Deutschland sollte im Ethanolbereich eine verstärkte Zusammenarbeit mit Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern eingehen," mahnt Ingo Plöger. Ansonsten gehe das Thema an den Deutschen vorbei.

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Alle Informationen zum neuen E10-Benzin

  • Was ist E10 und warum wird es eingeführt?
    Das "E" steht für Ethanol, die "10" für den künftig 10-prozentigen Anteil von Bioethanol im Benzin. Mit Erhöhung der Beimischung von 5 auf 10 Prozent setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um. Hintergrund ist das Ziel, den CO2-Ausstoß von Autos zu senken.
    Das neue, E10 genannte Benzin vertragen allerdings nicht alle Autos.
    Fahrer sollten sich also informieren, ob ihr Wagen betroffen ist.
  • Warum kann E10 für ein Auto gefährlich sein?
    Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoffteilen reagieren. Im schlimmsten Fall sind auch Motorschäden denkbar. Der Alkohol kann Aluminium zersetzen, das auch in Motoren oder in Benzinpumpen verwendet wird. Daneben kann E10 den Kunststoff von Kraftstoffschläuchen oder Dichtungen angreifen. Werden Leitungen löchrig, kann sich Benzin an heißen Motorbauteilen entzünden.
  • Welche Autos vertragen E10 - und welche nicht?
    Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor "ohne Einschränkungen" E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit demnach nicht. Informationen zur Verträglichkeit geben Händler und Hersteller. Aus dem Alter eines Autos lässt sich dies nicht ableiten, teils ist E10 auch für neuere Modelle ungeeignet. Eine Liste mit Autos, die den neuen Sprit nicht tanken sollten, hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Informationen gibt es auch beim ADAC.
  • Was tanken künftig Autos, die kein E10 vertragen?
    Für die gibt es an allen Tankstellen auch weiter E5 mit 5 Prozent Bioethanol - laut BMU "zeitlich unbefristet". E10 selbst wird künftig als "Super E10" an den Zapfsäulen gekennzeichnet sein, E5 wie bisher als "Super".
  • Wie viel kostet E10?
    Das BMU schließt nicht aus, dass Benzin durch die Einführung von E10 teurer wird. Auf die Ölkonzerne kämen zusätzliche Kosten etwa für die Herstellung von Ethanol zu. Zudem steigt demnach auch der Benzinverbrauch durch E10 um knapp 2 Prozent wegen des geringeren Energiegehalts von Alkohol im Vergleich zu Benzin.
  • Weitere Informationen im Internet









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