Von Thomas Milz, Rio de Janeiro
Noch vor einem Jahrzehnt wurde Zuckerrohr mühsam von Arbeitern in Handarbeit geschlagen. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen waren dabei an der Tagesordnung. Doch in den letzten Jahren hat das Arbeitsministerium seine Kontrollen verschärft, dafür gesorgt, dass die gesetzlichen Arbeitszeiten, Löhne und Arbeitsbedingungen auf den Feldern eingehalten werden.
Das Abfackeln der Felder vor der Ernte, das die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigte, ist mittlerweile weitestgehend untersagt und ab 2014 vollständig verboten. Zudem stellen die Produzenten verstärkt auf die kostengünstigere mechanische Ernte um. Wo einst Hunderte von Arbeitern sich unter der sengenden Sonne quälten, übernimmt eine moderne Erntemaschine die Arbeit.
Gerne würden Brasiliens Ethanolproduzenten auch im großen Maßstab nach Europa und besonders nach Deutschland exportieren. Doch bisher erhebt die Europäische Union eine deftige Importsteuer auf den Biosprit. Zudem schreckt die dortige undurchsichtige Zertifizierungspolitik die Exporteure ab. Gleich ein halbes Dutzend verschiedener Modelle werden derzeit in Brüssel diskutiert, mit deren Hilfe man die nachhaltige Produktion von Biosprit gewährleisten will.
Nachhaltigkeitsdebatte als Handelsschranke?
"Auf der anderen Seite importiert die EU Benzin, das sicherlich umweltbelastender ist, ohne Steuern darauf zu erheben," meint der deutsch-brasilianische Unternehmer Ingo Plöger, einst Präsident der deutschen Außenhandelskammer in Brasilien und Leiter des Think Tanks IP Desenvolvimento. "Zudem fragt man nicht, aus welchen Ländern das Benzin kommt, mit welcher Nachhaltigkeit es dort gefördert wird und mit welchen sozialen Komponenten diese Länder ihre Marktwirtschaft betreiben."
In Brasilien sieht man die in der EU geführte Nachhaltigkeitsdebatte deshalb als eine weitere Handelsschranke, mit der man außereuropäischen Agrarprodukte künstlich verteuern will, um die am EU-Tropf hängende heimische Landwirtschaft zu schützen. Nachhaltigkeit habe neben dem Umweltschutz und der sozialen auch eine wirtschaftliche Komponente, die in der von Subventionen freien brasilianischen Landwirtschaft gegeben sei, so Plöger.
Im Gegensatz zum europäischen Agrarsektor - wo Agrarprodukte mit milliardenschweren Subventionen gestützt werden. So wenden sich Brasiliens Exporteure verstärkt Richtung USA, wo die Einführung von Biosprit ganz pragmatisch als ein energiepolitisches Moment angesehen wird. "Deutschland sollte im Ethanolbereich eine verstärkte Zusammenarbeit mit Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern eingehen," mahnt Ingo Plöger. Ansonsten gehe das Thema an den Deutschen vorbei.
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