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24.01.2011
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Biolebensmittel

Giftiger Richtungsstreit

Von Kristian Klooß

Reiche Auswahl: Agrarministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche in Berlin
Getty Images

Reiche Auswahl: Agrarministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche in Berlin

Der Dioxinskandal vergiftet auch die Atmosphäre auf der Grünen Woche in Berlin. Doch für Regierung und Opposition ist er am Ende nur ein Anlass, um sich über die Prinzipien deutscher Agrarpolitik zu streiten. Vor allem deutsche Biobauern sind von diesem Streit betroffen.

Hamburg - So viel wie in diesen Tagen wurde lange nicht mehr über unser Essen gestritten. Und darüber, wie es hergestellt wird. Schriftsteller wie Karen Duve ("Anständig essen") oder Foodwatch-Gründer Thilo Bode ("Die Essensfälscher") stürmen die Bestsellerlisten. Und Verbraucher stürmen die Biomärkte. Seit Ausbruch des Dioxinskandals haben Bioland, Alnatura und Co. bis zu 30 Prozent mehr Bioeier verkauft, berichtet der Bundesverband Naturkost Naturwaren. Als Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die weltgrößte Agrarmesse in Berlin eröffnete, klangen ihr nicht nur die Klagen der Opposition in den Ohren.

Diese wirft der Ministerin Versagen vor: Aigner habe erst zögerlich agiert und sei dann in Aktionismus verfallen, sagte der Fraktionsvize der Linken, Dietmar Bartsch. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, warf Aigner vor, "keine tragfähige Lösung" vorgelegt zu haben. Und SPD-Agrarpolitiker Wilhelm Priesmeier sagt, Aigner habe die Lage falsch beurteilt.

Die Landwirtschaftsministerin gab ihre Perspektive schon vor der Grünen Woche in einer Regierungserklärung zu Protokoll. Sie habe einen Krisenstab und ein Bürgertelefon eingerichtet, sich mit der Europäischen Union (EU) abgestimmt und sich um die internationalen Märkte gekümmert. "Dieser Skandal wird Konsequenzen haben", kündigte Aigner an.

Inzwischen hat die Bundesregierung den von Aigner vorgelegten Aktionsplan beschlossen. Er enthält 14 Punkte: Futterfetthersteller werden künftig nur zugelassen, wenn sie durch Proben und Berichte an Behörden nachweisen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Außerdem dürfen Futterfette nicht mehr in Anlagen hergestellt werden, in denen auch Industriefette produziert werden. Die Rohstoffe müssen zudem vor der Verarbeitung getestet werden. Darüber hinaus müssen die Behörden künftig alle Grenzwertüberschreitungen in Futter- und Lebensmitteln auf einer Internetplattform veröffentlichen.

Plan mit zehn Punkten und noch mehr Fragen

Ob diese Punkte in den kommenden Monaten umgesetzt werden, ist allerdings zumindest fraglich. Denn schon Aigners Vorgänger, der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister und heutige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), versprach nach dem sogenannten Gammelfleischskandal 2006 Ähnliches. Damals war teilweise mehrere Jahre altes umetikettiertes Fleisch in den Handel gelangt. Die Lebensmittelkontrollen hatten versagt. Dass sich seitdem wenig geändert hat, zeigt der aktuelle Dioxinskandal.

Dass auch dieser bald vergessen sein wird, darüber sind sich die Experten praktisch einig. "Nachhaltig war eigentlich nur der BSE-Skandal", sagt Helmut Hübsch, bei der Gesellschaft für Konsumforschung Experte für Frischeprodukte. Beim Gammelfleischskandal habe es immerhin ein Jahr lang einen Einbruch beim Wildfleisch gegeben. "Danach wurde aber das alte Niveau wieder erreicht", sagt er. "Und als im vergangenen Jahr die Schweinepest ausbrach, haben die Leute tiefgekühltes Fleisch gekauft."

Dass eine Diskussion um Qualität von Lebensmitteln nicht automatisch zu einem dauerhaften Absatzplus von Nahrungsmitteln aus kontrolliert biologischem Anbau führt, haben Vertreter der Branche in den vergangenen Jahren erfahren.

Begleitet von BSE, Gammelfleisch, Gentechnik und Dioxin hat sich der Umsatz mit Biolebensmitteln von 1997 bis 2010 in Deutschland zwar vervierfacht und die Umsatzschwelle von rund sechs Milliarden Euro erreicht. Doch die Aufbruchstimmung in der deutschen Biobranche ist verflogen.

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