Montag, 5. Dezember 2016

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US-Notenbank favorisiert kleine Schritte Fed will 2016 nur noch zweimal die Zinsen erhöhen

Die US-Notenbank in Washington

Nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten will die US-Notenbank die Zinszügel vorerst nur behutsam straffen. Die Fed signalisierte am Mittwoch, dass sie nach der historischen Zinswende vom Dezember im laufenden Jahr nur noch zwei Mal nachlegen wolle.

Die US-Notenbank Fed scheint ihre Geldpolitik in diesem Jahr deutlich langsamer straffen zu wollen als bisher beabsichtigt. Wie aus den Prognosen der Währungshüter hervorgeht, werden sie voraussichtlich noch zwei Mal nachlegen und damit weniger oft als noch bei der Zinswende im Dezember vorgesehen. Für Ende 2016 sagen die Notenbanker nun im Mittel ein Zinsniveau von 0,875 Prozent voraus.

Am Mittwochabend beließ die Federal Reserve (Fed) den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Wann der nächste Schritt ansteht, ließen die Währungshüter offen: Anders als noch vor der Zinserhöhung im Dezember verzichteten sie auf eine bestimmte Formulierung, mit der die Märkte damals auf die erste geldpolitische Straffung seit fast zehn Jahren vorbereitet wurden - nämlich den Hinweis, dass die Risiken annähernd ausgeglichen seien.

Im Dezember hatten die Mitglieder im Offenmarktausschuss für Ende 2016 noch ein Leitzinsniveau von 1,375 Prozent angepeilt. Die Konjunkturabkühlung in China und der Ölpreisverfall zu Jahresbeginn haben die Fed jedoch vorsichtiger werden lassen.

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"Weltweite wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen bedeuten weiterhin Gefahr", heißt es in einem Statement der Fed. Der Zins werde noch für eine ganze Weile unter der langfristigen Zielmarke liegen. Schuld daran sei neben Entwicklungen im Ausland auch die Inflation, die bisher nicht die Zielmarke von zwei Prozent erreicht habe. Das liege einerseits an den Niedrigen Energie- und Rohstoffpreisen, andererseits aber auch an billigen Importen wegen des vergleichsweise starken Dollars.

Aussichten erfreuen Investoren

Die Aussichten auf einen relativ schwachen Anstieg der Zinsen sorgte bei Investoren für gute Laune. An der Wall Street ging es bergauf. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen drehte ins Plus und stieg leicht. Der Euro legte zum Dollar zu.

In Europa hatte die Europäische Zentralbank in einer gegenläufigen Entwicklung erst vergangene Woche die Geldpolitik weiter gelockert und den Leitzins auf Null gedrückt. Zudem gab Zentralbankchef Mario Draghi bekannt, das Programm zum Ankauf von Anleihen - eine weitere Maßnahme zum "Gelddrucken" - auszuweiten. Der Euro hatte im Vorfeld der Entscheidung leicht nachgegeben.

Nähere Details zum weiteren Kurs erhofften sich Experten von der Pressekonferenz mit Fed-Chefin Janet Yellen. Die US-Notenbank soll Vollbeschäftigung fördern und für stabile Preise sorgen. Das erste Ziel gilt mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,9 Prozent als weitgehend erreicht. Die Inflation nähert sich zumindest dem von der Zentralbank angestrebten Wert von 2,0 Prozent.

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brt/rei/dpa/Reuters

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