Donnerstag, 29. September 2016

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Chinas Währung vor Ritterschlag durch IWF Wird der Yuan so wichtig wie Euro und Dollar?

Chinesische Banknoten: 100 Yuan entsprechen etwa 15 Euro

Der Internationale Währungsfonds will den chinesischen Yuan als fünfte Währung in den Welt-Währungskorb aufnehmen. Der Yuan würde dann in einer Liga spielen mit dem US-Dollar, dem britischen Pfund, dem Euro und dem japanischen Yen. Die Aufnahme hat zunächst nur Symbolwirkung. Der Handel muss in den folgenden Jahren zeigen, ob der Schritt auch tatsächlich unterlegt ist. Die wichtigsten Fragen zur Aufnahme in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds und ihre Antworten:

Was bedeutet die Aufnahme des Yuan konkret?

Sollte der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartungsgemäß für die Aufnahme des Yuan entscheiden, wäre die chinesische Währung die fünfte Weltreservewährung. Die Währungen des Währungskorbes bilden zusammen - entsprechend einer bestimmten Gewichtung - eine Art Kunstwährung, die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR). Diese Kunstwährung wird an keiner Börse gehandelt, dient dem Währungsfonds aber als Berechnungsgrundlage, etwa für internationale Finanzhilfen. Bei der Gewichtung geht die Aufnahme des Yuan zu Lasten der anderen vier Währungen, vermutlich vor allem zu Lasten des japanischen Yen.

Wird es ruckartige Veränderungen an den internationalen Finanzmärkten geben?

Nein. Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollars sehen. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es zumindest nicht schnell gehen. Die Aufnahme des Yuan soll am Montag zwar verkündet werden, wird aber wohl erst zum Herbst 2016 Inkrafttreten. Die Märkte haben lange Zeit, sich darauf einzustellen. Schon jetzt buhlen internationalen Finanzzentren darum, Handelszentrum für den Yuan zu werden, etwa London und Frankfurt. In der Londoner City gehören Kurse in Mandarin schon seit geraumer Zeit zu den am meisten nachgefragten Fremdsprachen-Unterrichtsformen.

Wie will China den Yuan zur Weltwährung machen?

Ähnlich wie im globalen Handel verfolgt China auch auf den Finanzmärkten das Ziel, den USA ihre Vormachtstellung streitig zu machen. Den Aufbau des Yuan zu einem ernstzunehmenden Dollar-Konkurrenten treibt Peking deshalb schon seit Jahren generalstabsmäßig voran. Seit 2009 hat die Volksrepublik über 30 sogenannter "Swap-Abkommen" mit Nationen vor allem in Asien und Afrika geschlossen, mit denen sie nun ihren Handel direkt in den Landeswährungen abwickeln kann.

Wie wichtig ist der Yuan bisher für den globalen Zahlungsverkehr?

In den vergangenen Jahren hat die Währung eine rasante Aufholjagd hingelegt: Im August 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft er es bereits auf Platz vier der international am meisten gehandelten Währungen, noch vor dem japanischen Yen. Im Vergleich zum Top-Trio ist der Yuan allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent der internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt - gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

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