Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Bürgermeister fordert Geld für Luftreinhaltefonds VW, BMW und Co sollen in London für Dieselabgase zahlen

Dicke Luft in London

Londons Luftqualität gilt nicht als die beste, genau genommen als die schlechteste in ganz Großbritannien. Besonders drückend empfinden die Menschen die Verhältnisse bei wolkenverhangenem Himmel - eigentlich ein Dauerzustand in der Millionenmetropole. Da wird die Atmung flacher und vielerorts bleibt den Menschen im wahrsten Wortsinn die Luft weg.

"Die Luft in London ist ein Killer", äußerte sich Bürgermeister Sadiq Khan unlängst. In manchen Stadtteilen seien die Lungen von Kindern unterentwickelt "und viele von uns haben Asthma wegen der schlechten Luft", wetterte der gebürtige Londoner gegen die Belastung durch Feinstaub, CO2 und Stickoxide.

Einen Gutteil der Verschmutzung schreiben Experten dem Verkehrsaufkommen in der Stadt zu. Die Verwaltung hat reagiert: Seit Oktober müssen Fahrzeugführer für Autos, die die EU-Abgasvorschriften nicht einhalten, zehn britische Pfund zahlen, wenn sie mit dem Vehicle in die City einfahren. Diese Gebühr ist zusätzlich zu einer bereits 2003 erhobenen Gebühr zu zahlen.

Bis zum Jahr 2020 soll in der City zudem eine Umweltzone entstehen, die dann nur noch für modernste Autos mit niedrigstem Schadstoffausstoß oder Elektroautos zugänglich sein soll.

        "Das ist lächerlich":        Londons Bürgermeister Sadiq Khan kritisiert die "doppelten Standards" der deutschen Autobauer in Sachen saubere Luft
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"Das ist lächerlich": Londons Bürgermeister Sadiq Khan kritisiert die "doppelten Standards" der deutschen Autobauer in Sachen saubere Luft

Doch Khan geht noch einen Schritt weiter, will die Autobauer nun selbst zur Kasse bitten, berichtet der "Guardian". In einem Brief an die britischen Bosse von BMW, Daimler und Volkswagen verlangt er eine Kompensation für die negativen Auswirkungen, die die Abgase ihrer Dieselfahrzeuge auf die Luftqualität und die öffentliche Gesundheit hätten.

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Wie in Deutschland sollten sie in einen Fonds einzahlen, fordert der Bürgermeister und verurteilt zugleich die "doppelten Standards" der Autobauer in dieser Frage. "Sie haben erkannt, dass sie die Emissionen ihrer Fahrzeuge senken müssen, beschränken ihr finanzielles Engagement aber allein auf Deutschland. Das ist lächerlich, schließlich fahren ihre Autos in ganz Europa, auch auf den Straßen Londons", zitieren auch andere britische Medien aus dem Brief. BMW, Daimler und Co müssten den gleichen Ansatz für alle Märkte anwenden, in denen sie aktiv sind, fordert Khan.

Bei Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace stößt Khan mit seinem Vorstoß auf volle Unterstützung, bei den Autobauern dagegen auf Ablehnung. Im Juli habe der britische VW-Geschäftsführer ihm gegenüber erklärt, Volkswagen in Großbritannien könne und werde nicht in einen Fonds für saubere Luft und neue Mobilitätskonzepte in London einzahlen. "Für die Menschen in London ist das völlig unakzeptabel", sagte Khan.

Damit will sich Khan aber nicht zufrieden geben, fordert die Unterstützung der britischen Regierung ein, den Druck auf die deutschen Autobauer zu erhöhen - und sei es, dass sie - ähnlich wie in Deutschland - Kunden Prämien in Aussicht stellen, wenn sie ihren dreckigen Diesel bei gleichzeitigem Kauf eines saubereren Neuwagens verschrotten lassen.

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