Freitag, 1. Juli 2016

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Frauen und Führung Die glücklosen Sieben

Vorstandsmitglieder der Lufthansa bei der HV in Köln: Die Airline hat mit Simone Menne und Bettina Volkens zwei weibliche Vorstandsmitglieder - und ist damit eine Ausnahme im Dax 30

Nach dem Abgang von Marion Schick bei der Deutschen Telekom und von Elke Strathmann bei Conti steht fest: Jeder zweite weibliche Vorstand, der in den vergangenen paar Jahren in deutschen Konzernen antrat, ist gescheitert. Doch das liegt kaum an den Frauen selber.

Erst verlor sie die Zuständigkeit für die Führungskräfteentwicklung, dann vergangenen Freitag den ganzen Job: Marion Schick, Personalvorstand bei der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen, hört auf. Zu Wochenbeginn dann die zweite Abmeldung: Personalchefin Elke Strathmann verlässt den Reifenhersteller Continental Börsen-Chart zeigen.

Die beiden sind nur das Schlusskapitel einer unerfreulichen Geschichte - zuvor verließen Barbara Kux und Brigitte Ederer Siemens Börsen-Chart zeigen und Regina Stachelhaus Eon Börsen-Chart zeigen; auch bei SAP Börsen-Chart zeigen strichen gleich zwei Damen die Segel: Erst Angelika Dammann und danach auch ihre Nachfolgerin Luisa Delgado.

Damit ist von den weiblichen Besetzungen der vergangenen zwei Jahre für die Beletagen der deutschen Konzerne rund die Hälfte schiefgegangen. Der Einwand, dass auch Männer scheitern, ist zwar korrekt, doch eine Ausfallquote von 50 Prozent habe ich in 30 Jahren als Personalberater noch nie beobachtet.

In den Unternehmen werden diese Abgänge jeweils mit "Krankheit" oder "persönlichen Gründen" kommentiert und alles geschieht ja ohnehin immer "im gegenseitigen Einvernehmen". Hinter den Kulissen wird dagegen über die spitzen Ellenbogen der Frauen getuschelt, ihre mangelnde Teamfähigkeit und entsprechend genervte Männerriegen. Aber mal im Ernst: Wegen Durchsetzungskraft und offensivem Auftreten muss kein Vorstand gehen, deswegen wird er höchstens eingestellt.

Unheiliger Wettbewerb um die meisten Frauen in Topjobs

Der Grund für diese Pleiten ist ein ganz anderer: Unter den Unternehmenslenkern ist in den vergangenen Jahren förmlich ein Wettbewerb entbrannt, wer am schnellsten die meisten Frauen in Topjobs installieren kann. Statt um unangreifbare Kompetenz ging es vor allem ums Geschlecht. Doch Personalentscheidungen von dieser Tragweite sind kein Kinderspiel, und sowohl die Unternehmen als auch beteiligte Personalberatungen haben schon bei der Auswahl der Kandidatinnen nicht sorgfältig gearbeitet.

Da wurden begabte und auch qualifizierte Frauen in Vorstandsjobs geholt, für die sie nicht oder noch nicht geeignet sind, nur damit ein Vorstandsvorsitzender in einer Pressemitteilung Frauenfreundlichkeit betonen kann.

Es wäre besser gewesen, hätten sich die Verantwortlichen von den Politikern weiterhin für ihre vermeintliche Zögerlichkeit in der Frauenfrage beschimpfen lassen, als derartiges Unheil anzurichten. Wenn man jemand in den Vorstand eines börsennotierten Großkonzerns holt - ob Mann oder Frau - muss diese Person so viel vom Geschäft verstehen, dass die Benennung nach innen und außen glaubwürdig ist. Eine ernsthafte Kandidatin muss bereits Erfahrung in einem Großunternehmen gesammelt haben.

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