Dienstag, 11. Dezember 2018

Erdogan attackiert freie Marktwirtschaft Mit Preispolizei und Denunziation gegen die Inflation

Markt in Istanbul

2. Teil: Erhebliche Zweifel an der Wirkung verordneter Preiskontrollen

Erschwerend kommt in vielen Fällen für die Firmen hinzu, dass sich wegen des starken Verfalls der eigenen Währung ihre Produktionskosten durch den Einkauf notwendiger Vorprodukte aus dem Ausland drastisch erhöht haben. Geben sie diese Kosten nicht zumindest teilweise weiter, geraten die Unternehmen in Bedrängnis.

Dass Händler und Unternehmen in der Türkei diese Krisenzeiten auch zu ihrem Vorteil auszunutzen versuchen ist sehr wahrscheinlich. Schon länger sind städtische Polizeiteams der "Zabita" in Supermärkten und größeren Einzelhandelsgeschäften in den Städten unterwegs. Jetzt haben sie ihre Kontrollen im Land verschärft, wie Medien in der Türkei berichten.

Ob Ankaras Versuch, der politischen Einflussnahme auf die Preisbildung nachhaltig Wirkung zeigen wird, glauben Ökonomen nicht. In der Geschichte hätten Politiker und Despoten immer wieder versucht, über verordnete Preiskontrollen die Bevölkerung zu beruhigen. "Das Ergebnis war immer verheerend", zitiert die "Welt" den US-Ökonomen Thomas DiLorenzo. Blühender Schwarzhandel, Korruption und eine verschlechterte Produktqualität seien oft die Folge gewesen.


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Die Teuerungsrate in der Türkei hat mittlerweile 25 Prozent erreicht. Als wichtige Ursache gilt der starke Verfall der türkischen Lira Börsen-Chart zeigen, die seit Jahresbeginn rund 40 Prozent ihres Wertes zum Dollar verloren hat. Steigende Zinsen in den USA und der Abzug ausländischen Kapitals aus der Türkei, das lange Zeit den Wirtschaftsaufschwung des Landes mit beflügelte, haben die Währungskrise verschärft.

Viele Investoren ziehen ihr Geld aber auch ab, weil Erdogan die eigentlich unabhängige Notenbank stark zu beeinflussen versucht. Der Präsident ist erklärter Gegner steigender Zinsen im Land. Zwar hatte die Notenbank die Zinsen zuletzt gegen den erklärten Willen Erdogans erhöht, an den Devisenmärkten zeigte das aber kaum Wirkung.

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