Montag, 25. Juli 2016

Terrorwarnung für türkische Großstädte "Konkrete Terrorgefahr" - Deutschland schließt Vertretungen

Angst vor neuen Bombenanschlägen: Deutsches Konsulat in Istanbul am 17. März

"Konkrete Terrorgefahr" - die deutschen diplomatischen Vertretungen in Ankara und Istanbul sind geschlossen. Menschen sollen auch die Umgebung meiden, rät das Auswärtige Amt.

Die deutschen Vertretungen in der Türkei sind wegen konkreter Hinweise auf geplante Terroranschläge geschlossen worden. "Gestern Abend erreichten unsere Sicherheitsbehörden einige sehr konkrete und sehr ernstzunehmende Hinweise, dass terroristische Attentate gegen unsere deutschen Vertretungen innerhalb der Türkei vorbereitet seien", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag.

Steinmeier habe daraufhin entschieden, dass die deutsche Botschaft in Ankara, das Generalkonsulat in Istanbul und die deutschen Schulen in beiden Städten geschlossen bleiben. "Das war eine notwendige Maßnahme, weil der Schutz der deutschen Staatsbürger und der in den Einrichtungen arbeitenden und lernenden Menschen jetzt Vorrang haben muss." Die Schutzvorkehrungen an diesen Einrichtungen sollen jetzt erhöht werden.

Das Auswärtige Amt (AA) riet am Donnerstag zugleich auf seiner Homepage zu erhöhter Vorsicht in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten der Türkei. Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen sowie der Aufenthalt nahe Regierungs- und Militäreinrichtungen sollten gemieden werden.

Rat an Touristen: Menschenansammlungen vermeiden

Im Goethe-Institut im Zentrum Istanbuls wurde wegen des Terroralarms der laufende Deutsch-Unterricht abgebrochen. Das deutsche Kulturinstitut, das nahe der Istiklal Caddesi in der Innenstadt seinen Sitz hat, schloss daraufhin vorübergehend.

In Ankara waren am Sonntag bei einem Anschlag 37 Menschen getötet worden. Am Donnerstag bekannte sich die aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) zu dem Attentat.

Die Tat sei eine Vergeltung für die "Massaker in Kurdistan", teilte die Gruppe auf ihrer Website mit und kündigte zugleich neue Anschläge an. "Die, die in der Türkei leben, sollen wissen, solange die faschistische Diktatur nicht dem Erdboden gleichgemacht wird, ist kein Menschenleben sicher", hieß es.

Splittergruppe kündigt neue Anschläge an

Die Gruppe bedauerte, dass es in Ankara zu zivilen Opfern gekommen sei. Der Anschlag hätte demnach eigentlich Sicherheitskräften gelten sollen. Die Polizei habe jedoch "interveniert", daher seien Zivilisten getroffen worden. "Wir bekunden unsere Trauer", hieß es. Wie genau die Polizei eingegriffen haben soll, erklärte die Gruppe nicht.

Lesen Sie auch: "Spiegel"-Korrespondent verlässt Türkei unter GeleitschutzDie deutsche Botschaft hatte Bundesbürger bereits am Dienstag vor neuen Anschlägen in der türkischen Hauptstadt gewarnt. Hintergrund für die Botschaftsschließung sei ein nicht abschließend überprüfbarer Hinweis, hieß es nun aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Bedrohungslage habe sich im Vergleich zu den vergangenen Tagen nicht geändert.

Wegen einer Terrorwarnung in Istanbul wurden auch das deutsche Generalkonsulat und die deutsche Schule geschlossen. Das Generalkonsulat teilte in einer E-Mail an Bundesbürger mit, es handele sich um einen "nicht abschließend überprüfbaren Warnhinweis". Das Konsulat und die Schule in Istanbul blieben daher am Donnerstag "vorsorglich geschlossen". In der Mitteilung hieß es: "Bitte meiden Sie die Umgebung des Generalkonsulats." Das Konsulat liegt in der Nähe des zentralen Taksim-Platzes.

In der Nähe des Platzes waren hatte im Januar ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde von türkischen Behörden der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zugerechnet.

TAK dementiert mögliche Verbindung der Attentäterin nach Syrien

Bei dem Anschlag am Sonntag im Zentrum Ankaras starben hauptsächlich Zivilisten. Die türkische Regierung hatte die PKK und deren bewaffneten syrischen Ableger YPG für das Attentat verantwortlich gemacht. Die TAK bestritt in ihrem Bekennerschreiben jedoch, dass die Selbstmordattentäterin Verbindungen nach Syrien habe.

Die TAK ging 2004 aus der PKK hervor und verübte Anschläge in Städten. Die Gruppe hatte sich schon im Februar zu einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara bekannt. In der Türkei kommt es immer wieder zu Anschlägen. In Istanbul hatte im Januar ein Selbstmordattentäter zwölf deutsche Touristen mit in den Tod gerissen. Die Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet.

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rei/dpa/Reuters

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