Samstag, 25. Juni 2016

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Streik Die unerträgliche Attitüde der Lufthansa-Piloten

Streik: Die Ahs und Ohs der Verehrung sind den meist männlichen Piloten der Lufthansa wohl zu Kopf gestiegen

Piloten der Lufthansa gehören zu den Topverdienern - und wollen dennoch mit ihrem Streik hart arbeitende Menschen ausbremsen. Den "Herren der Lüfte" sind ihre alten Privilegien zu Kopf gestiegen.

Viele Professionen, in denen gut ausgebildete, verantwortliche und intelligente Leute arbeiten, haben einen schlechten Ruf. Doch während sich Banker als "Bangster", Anwälte als "Rechtsverdreher" und Ärzte als "Götter in Weiß" bezeichnen lassen müssen, galten Flugkapitäne bislang als Inbegriff der Tugend.

Tatsächlich lässt sich immer wieder beobachten, wie sich die Masse wartender Fluggäste ehrerbietig teilt, sobald Piloten am Gate erscheinen. Wenn die Kapitänsmützen der Lufthansa Börsen-Chart zeigen auftauchen, geht manchmal gar ein leises "Ahhh" der Bewunderung durch die Menge.

Nicht nur diese Ahs und Ohs der Verehrung sind den zumeist männlichen Piloten der Lufthansa ganz offensichtlich zu Kopf gestiegen, sondern auch ihre Privilegien.

Kranichpiloten gehören mit Spitzengehältern von teilweise mehr als 250.000 Euro im Jahr zu den Top-Verdienern im Konzern. Obwohl sie nur zwölf Prozent der Kernbelegschaft ausmachen, stehen sie für rund ein Drittel der Personalkosten und für 40 Prozent der Versorgungsansprüche, können sie doch bereits mit 55 Jahren in Pension gehen.

Am Sparprogramm haben die Herren der Lüfte nicht teilgenommen

Am Sparprogramm Score, mit dem das Unternehmen gerade versucht, sich der wachsenden Konkurrenz durch Billigflieger und Golf-Airlines wie Emirates oder Etihad zu erwehren, haben die Herren der Lüfte bislang nicht teilgenommen. Trotzdem wollen sie nun 10 Prozent mehr Gehalt und drohen mit Streik, weil der Arbeitgeber erst 2016 ein Plus von drei Prozent bezahlen will. Vor diesem Hintergrund entfuhr sogar den sonst eher kühlen Redakteuren vom SPIEGEL im Interview mit Jörg Handwerg - Kapitän bei der Lufthansa und Sprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit - ein emotionales: "Das ist doch unsolidarisch!".

Auf Vorwürfe wie diese reagiert Handwerg mit drei Argumenten: Kritiker wären einfach neidisch; Piloten seien teilweise verantwortlich für mehr als 500 Menschenleben und Flugzeuge, die zwischen 40 und 250 Millionen Euro wert sind; und außerdem würden andere Führungskräfte noch deutlich mehr verdienen. Auch Manager könnten nicht zehn- oder zwanzigmal so viel arbeiten wie ein normaler Arbeitnehmer.

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