Sonntag, 20. Mai 2018

Debatte um Große Koalition SPD - Berliner Laienspielschar

Under Construction.

Ein Topmanagement-Team, das sich so verhalten würde wie die SPD-Führung, würde vom Aufsichtsrat schnell gefeuert. Zu recht.

Was macht ein gestandener Aufsichtsrat mit einem CEO, der trotz ausdrücklichem Kundenwunsch ein Joint Venture erst kategorisch ablehnt, dann doch mit einem Verhandlungsteam antritt, Zusammenarbeit vereinbart - nur um dann kurz vor Vertragsunterzeichnung in tiefes Schweigen zu verfallen und zuzulassen, dass Mitglieder seines eigenen Teams den Deal kaputt reden?

Der Aufsichtsrat wirft den CEO raus! So schnell wie möglich und ohne Wenn und Aber. Und die illoyalen Mitglieder des Verhandlungsteams fliegen gleich hinterher.

Ersetzt man Kunden durch Bürger, CEO mit SPD-Parteivorsitzender und Joint Venture mit Großer Koalition, ist man ziemlich schnell in Berlin angelangt, wo sich für Martin Schulz und seine SPD leider kein Aufsichtsrat zuständig fühlt. Seine kolossale Führungsschwäche sowie sein katastrophales Projektmanagement werden wohl ungesühnt bleiben. Die Wirkung dieser Jein-Sager auf den Bürger, der sich eine handlungsfähige Regierung wünscht, ist verheerend, die Umfragewerte sind im freien Fall. Und die AfD lacht sich ins Fäustchen.

Heiner Thorborg
  • Copyright:
    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

Was bleibt, ist erstens die Erleichterung, dass Politiker bei uns eher selten in Unternehmen wechseln, weil zu befürchten wäre, dass sie in der Wirtschaft ähnlich unfähig und beratungsresistent agieren würden. Ein Blick auf Projekte unter maßgeblichen Politiker-Einfluss reicht. Siehe Stuttgart 21, die Elbphilharmonie und last but not least den Berliner Flughafen.

Zweitens bleibt die Hoffnung, dass sich Schulz - den die Basis mit einem Votum von 100 Prozent als Messias-Ersatz ins Amt gehoben und beim Parteitag vor Weihnachten noch mit über 80 Prozent der Stimmen bestätigt hat - sich endlich ermannt, in seiner Partei Tacheles zu reden und die Koalitionsverhandlungen in dem bereits abgesteckten Rahmen durchzieht. Sonst wird das Label "Diskussionspartei", das die SPD so stolz vor sich herträgt, schließlich vollständig zum Begriff für "quasselnder Kindergarten".

Drittens lässt die SPD die Union plötzlich aussehen wie den Hort der staatsbürgerlichen Verantwortung. So viel Ehre haben Herr Seehofer und Co. nicht verdient. Was bei den Konservativen oft nur einem Mangel an Ideen und Leidenschaft geschuldet war, erscheint nun als Linientreue und Disziplin. Immerhin entpuppt sich das zunehmende Gemäkel an Angela Merkel als der Realitätsverlust, der er ist: Andere Nationen wären froh, wenn sie eine Führungspersönlichkeit wie sie hätten.

Würde die Opposition gegen die Groko in der SPD nur über einen Funken Managementverstand verfügen, wäre ihr doch klar, das ein Aufschnüren eines Verhandlungspakets auch auf der Gegenseite Begehrlichkeiten weckt. All die der Union abgerungenen Zusagen stünden ja dann auch erneut zur Debatte. Aber das scheinen große Teile der SPD nicht zu verstehen. Wie heißt es doch so schön: Lieber den Mund halten und als Idiot gelten, als den Mund aufmachen und beweisen, dass man einer ist.

Und so haben die Wendehälse von der SPD jetzt nur noch zwei Optionen: Die GroKo platzen lassen und darauf hoffen, dass sich Angela Merkel in einer Minderheitsregierung vollends zerschleißt. Oder darauf setzen, dass die Partei nach einer Neuwahl wieder in einer Sondierungsrunde mit einer noch deutlich schwächeren Union sitzen. Beides ist ein Rezept für Selbstvernichtung: Dann war es das mit der Volkspartei SPD.

Die Vorstellung allerdings, dass sie einen Job in der Wirtschaft landen, wenn sie ihre politischen Ämter schließlich ganz verspielt haben, können sich die Genossen abschminken. Eine derart miese, illoyale Laienspielschar wird nirgendwo gebraucht.

Heiner Thorborg ist Personalberater und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH