Freitag, 17. August 2018

Folgen der Schuldenkrise Was, wenn Gelddrucken nicht gegen Deflation wirkt?

Sinkende Preise, schwindende Nachfrage: Deflation ist für Volkswirtschaften ein Schreckensbild. Bei hohen Schulden führt sie direkt in die Pleite. Noch beunruhigender: Die Politik der Notenbanken allein kann Deflation nicht verhindern.

Seit Monaten gibt es eine Streit um das Thema "Deflation". Dieser verläuft entlang verschiedenster Fronten:

  • Besteht die Gefahr einer Deflation?
  • Wäre eine Deflation denn überhaupt ein Problem?
  • Was kann getan werden, um eine Deflation zu verhindern?

Dabei wird sehr schnell deutlich, dass hinter den Argumenten oftmals die Verteilungsfrage für den Schaden der Überschuldungskrise steckt. Doch schauen wir uns die Argumente an.

1. Besteht die Gefahr einer Deflation?

Namhafte Beobachter sehen die akute Gefahr einer deflationären Entwicklung in Europa: der IWF warnt, Wolfgang Münchau warnt im Spiegel, Ambrose Evans-Pritchard warnt im Telegraph und Herr Draghi betont jederzeit handeln zu können, um eine Deflation zu verhindern.

Auf der anderen Seite sind die Kommentatoren vor allem vieler deutschen Medien , die betonen, dass die Eurozone als Ganzes keine Deflation hat, sondern nur einige Länder, in denen die Deflation aber politisch gewollt ist, um über eine "interne Abwertung" die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Diese unterstellen denjenigen, die vor einer Deflation warnen, dass sie mit dieser Panikmache nur weitere Geldschöpfung der EZB rechtfertigen wollen, mit dem Ziel über Geldentwertung die Schuldenlast abzutragen.

Wir von Beyond the Obvious sehen die Gefahr einer Deflation sehr wohl. Dies deshalb, weil wir ganz mit Irving Fisher der Auffassung sind, dass in einer überschuldeten Welt der deflationäre Druck überwiegt: das Kreditvolumen schrumpft, Vermögenswerte fallen im Preis, die Wirtschaft ist in der Rezession, das Bankensystem ist angeschlagen.

Hinzu kommt, dass es große Teile der Weltwirtschaft gleichzeitig trifft und jede Region versucht, zu Lasten der anderen einen Vorteil zu erlangen: die USA schwächen den Dollar durch aggressive Geldpolitik, die Japaner versuchen durch massive Abwertung die Wirtschaft in Schwung zu bekommen und die Deflation zu überwinden, die Chinesen werden die Wirtschaft ebenfalls über Exporte stimulieren und Dank Shalegas werden die Ölpreise gedämpft. Überinvestitionen der Bergbaukonzerne und einiger Schlüsselindustrien wie zum Beispiel Stahl tun das Ihrige dazu, dass das Preisniveau unter Druck gesetzt wird. Damit ist Deflation durchaus realistisch.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH