Freitag, 22. Februar 2019

Folgen der Schuldenkrise Was, wenn Gelddrucken nicht gegen Deflation wirkt?

4. Teil: Die Notenbanken alleine können eine Deflation nicht verhindern

Billiges Geld hilft nur dann, wenn die potentiellen Schuldner noch über beleihbares Eigentum verfügen und diese auch bereit sind, dieses Eigentum zu beleihen, weil sie attraktive Investitionsmöglichkeiten sehen. In einem Umfeld der Rezession sehen Unternehmen dies nicht und private Haushalte werden sich ebenfalls mit Schulden zurückhalten, wenn Arbeitslosigkeit droht und die Preissteigerung gering ist.

Kein Grund zur Eile. Einige Beobachter gehen gar so weit zu sagen, dass die tiefen Zinsen als solche deflationär wirken, signalisieren sie doch Investoren geringe zu erwartende Renditen und zwingen sie Sparer mehr zu sparen, um für ihr Alter vorzusorgen.

Der Ruf oder die Angst vor mehr Zentralbankintervention ist somit irrelevant. Die Geldpolitik wirkt nicht im Umfeld der Überschuldung. Alles was sie erreichen kann, sind weitere Blasen in einzelnen Vermögenswerten, deren Platzen die Wirtschaft in erneute Krisen und damit noch größere Deflationsgefahr stürzt - siehe die Schwellenländer heute. Damit würde die Geldpolitik das befördern, was sie eigentlich zu verhindern trachtet.

Folgt man dieser Argumentation, wird klar, dass die Notenbanken alleine eben eine Deflation nicht verhindern können. Es fehlt der Schuldner, der bereit ist, mehr Schulden zu machen und damit die Nachfrage anzuheizen. Der Ruf nach aggressiver Geldpolitik - gerade in Europa - mag erhört werden. Aber er alleine wird keine Deflation verhindern.

Geldpolitik bekämpft die deflationären Tendenzen nicht

Wer dies möchte, muss zusätzlich nach aggressiver Neuverschuldung rufen. Und diese kann nur vom Staat kommen. Nur dieser kann sich ohne Rücksicht auf die eigentlichen Schuldner seiner Schulden - die Steuerzahler - in weitere Schulden stürzen. Dann direkt finanziert von den Notenbanken.

Die Folgen wären klar: über Zeit kommt es zu einer Inflation. Und angesichts der derzeit tiefen Umlaufgeschwindigkeit - ein Euro/Dollar wird viel weniger pro Jahr eingesetzt als im historischen Durchschnitt - ergibt sich ein deutliches Inflationspotential. Dann wäre in der Tat Weimar nicht weit.

Was wirkt, ist die Zerrüttung des Geldwesens durch ungehemmten Staatskonsum auf Notenbankkredit. Wer das versteht und sieht, kann nur für geordnete Schuldenrestrukturierung sein.

Wer hingegen alleine auf die Geldpolitik setzt, wird feststellen müssen, dass diese nicht greift, sondern in letzter Konsequenz die deflationären Tendenzen eher fördert als bekämpft. Dies wird sich allerdings erst nach einigen Jahren der Enttäuschungen und Stagnation zeigen, in denen die Wirtschaft nicht richtig auf die Beine kommt, die Arbeitslosigkeit hoch bleibt und die Schulden weiter steigen.

Und wenn jetzt der eine oder andere Leser meint, uns in Deutschland muss das angesichts der guten Wirtschaftslage doch nicht kümmern, sei erinnert: unsere Wirtschaft profitiert enorm von den Stabilisierungsbemühungen anderer Staaten sowie den Vermögenspreisblasen, die international angefacht werden.

Beides wird nicht ewig andauern.

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