Donnerstag, 21. Februar 2019

Bundesregierung macht sich für Siemens-Alstom-Fusion stark "Wir brauchen internationale Champions aus Europa"

Siemens-Chef Joe Kaeser (l.) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der Siemens-Konzernzentrale neben einer Büste des Firmengründers Werner von Siemens

Die Worte von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dürften Siemens-Chef Joe Kaeser wie Honig runtergegangen sein. "Wir brauchen internationale Champions aus Europa", erklärte der Minister. Zudem versicherte er, die deutsche und französische Regierung würden alles tun, um die umstrittene Fusion der Zugsparten von Siemens und Alstom noch zu ermöglichen.

Es steht nicht gut um die geplante Fusion der Zugsparten von Siemens Börsen-Chart zeigen und der französischen Alstom Börsen-Chart zeigen. Zuletzt von der EU-Kommission eingeforderte Auflagen gingen Siemens offenbar zu weit, weitere Zugeständnisse wollten die Münchener nicht machen, hieß es zuletzt. Dabei hatten die Konzerne der Kommission angeboten, Teile des Signaltechnikgeschäfts zu verkaufen und Technologie für den Bau von Hochgeschwindigkeitszügen der Konkurrenz zur Verfügung zu stellen.

Nun schalten sich die deutsche und französische Regierung in den Konflikt mit Brüssel ein, um die Fusion zu retten und dem dann weltweit zweitgrößten Bahntechnik-Konzern doch noch den Weg zu ebnen.

"Wir werden alles tun, damit dieses Projekt eine Chance hat", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier der Nachrichtenagentur Reuters am Montag am Rande der Digitalwirtschafts-Konferenz DLD in München. Zuvor hatte der französische Finanzminister Bruno Le Maire in Paris bekräftigt, das Vorhaben dürfe nicht an Wettbewerbsbedenken der EU-Kommission scheitern.

Bleiben wohl doch getrennt: Deutscher ICE (l.) und französischer TGV

"Wir brauchen internationale Champions aus Europa, die imstande sind, weltweit im Wettbewerb zu bestehen. Dafür werbe ich, dafür setze ich mich ein", sagte Altmaier, der am Nachmittag zu einem Treffen mit Siemens-Chef Joe Kaeser in der Münchner Konzernzentrale erwartet wird.

Altmaiers französischer Amtskollege Le Maire, der in Paris EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager traf, sagte der Zeitung "Le Journal du Dimanche": "Die Fusion zwischen Alstom und Siemens abzulehnen, wäre ein wirtschaftlicher und politischer Fehler". Er glaube, dass die Fusion die beste und einzige Antwort auf Chinas wachsende Bedeutung im Eisenbahnsektor ist.

Vestager hat schwere Bedenken gegen den Zusammenschluss geäußert, aber noch keine Entscheidung veröffentlicht. Insidern zufolge will die EU-Kommission am 6. Februar ihre Ablehnung bekanntgeben.


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Der ICE-Hersteller Siemens und der Produzent des Hochgeschwindigkeitszugs TGV ringen seit Monaten mit der EU-Kommission. Sie wollen ihre Zugsparten zusammenlegen, um dem erwarteten Druck des ungleich größeren chinesischen Konkurrenten CRRC standhalten zu können.

Die chinesische KP hatte das Staatsunternehmen 2015 ihrerseits durch die Fusion der bis dahin zwei größten Zughersteller der Volksrepublik gebildet - mit dem ausdrücklichen Ziel, einen Weltmarktchampion zu kreieren. China will bis 2025 auf allen wichtigen Technologiefeldern mit dem Westen und Japan gleichziehen und bis zur Mitte des Jahrtausends die technologische Weltspitze in sämtlichen Schlüsselbranchen erobern.

rei/Reuters/dpa

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