Freitag, 25. Mai 2018

Russland kontert in Spionage-Affäre "Schmutziger Versuch der Briten, Russland in Verruf zu bringen"

Russlands Außenminister Lawrow: "Schmutziger Versuch der britischen Behörden, Russland in Verruf zu bringen"

In der Affäre um den vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal setzt Russland zum Gegenangriff an. Während sich westliche Staaten demonstrativ an die Seite Großbritanniens stellten, wies Moskau am Dienstag ein britisches Ultimatum zurück und richtete schwere Vorwürfe gegen London. Das russische Außenministerium nannte die Anschuldigungen einen "schmutzigen Versuch der britischen Behörden, Russland in Verruf zu bringen". London erwartet bis Dienstag um Mitternacht Erklärungen von Russland.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow verlangte am Dienstag Zugang zu den in Großbritannien sichergestellten Nervengift-Proben und warf London vor, sich nicht an die Vorgaben der Chemiewaffenkonvention zu halten. "Bevor uns jemand Ultimaten stellt, sollte er seine eigenen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Recht erfüllen", sagte Lawrow in Moskau.

Demnach hätte Großbritannien gemäß der Chemiewaffenkonvention eine offizielle Anfrage zu dem eingesetzten Nervengift schicken und Russland Zugang zu der Substanz gewähren müssen. Russland habe "über eine offizielle Note" Zugang zu dieser Substanz und zu weiteren Ergebnissen der britischen Ermittler gefordert, sagte Lawrow. Die Anfragen seien aber abgelehnt worden. Russland sei im Fall Skripal "unschuldig" und zur Zusammenarbeit bereit - wenn Großbritannien seinerseits kooperiere.

In Moskau wurde der britische Botschafter Laurie Bristow einbestellt. Das russische Außenministerium kündigte an, jegliche Drohung mit Sanktionen werde "nicht unbeantwortet bleiben".

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Bild: WILL OLIVER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Montagabend erklärt, Russland sei "höchstwahrscheinlich" für den Nervengift-Angriff auf den russischen Ex-Agenten Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien verantwortlich. Das verwendete Gift aus der Gruppe der in Russland entwickelten Nowitschok-Substanzen sei "von militärischer Qualität".

May stellte Moskau ein Ultimatum bis Dienstag um Mitternacht, sich zu dem Fall zu erklären, und drohte Russland Sanktionen an. Am Mittwoch soll der nationale Sicherheitsrat in London zusammenkommen, um sich mit den russischen Reaktionen zu befassen und über "die nächsten Schritte zu diskutieren", wie Mays Sprecher sagte. Am Dienstag tagte erneut der Krisenstab Cobra.

Die USA, die EU und die Nato stehen in dem Konflikt hinter London. US-Präsident Donald Trump erklärte, er vermute Moskau hinter dem Giftanschlag. "Für mich sieht es danach aus, dass es Russland gewesen sein könnte", sagte Trump. Sollte sich der Verdacht erhärten, "werden wir Russland verurteilen", fügte er hinzu.

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