Samstag, 25. Juni 2016

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Deutsche konsumieren, statt zu posten Immer mehr passive Nutzer - ein Problem für Facebook?



Auf den ersten Blick passt die Zahl den Facebook-Pessimisten der Welt durchaus in den Kram: Nur noch 34 Prozent der deutschen Social-Media-Nutzer haben Facebook im vergangenen Jahr aktiv benutzt. Wie die Grafik von Statista zeigt, die auf Daten der Beratung "Faktenkontor" fußt, war dieser Anteil noch 2012 fast doppelt so hoch. In den Jahren zuvor hätte Facebook einen solchen Schwund laut den Machern der Studie noch durch mehr passive Nutzer ausgleichen können - allerdings sei zuletzt auch deren Anteil an der gesamten deutschen Social-Media-Nutzerschaft gesunken.

"Diese Entwicklung war absehbar", sagt etwa Faktenkontor-Mann Dr. Roland Heintze - und könne für Facebook durchaus gefährlich werden: Soziale Netzwerke lebten von user-generierten Inhalten. "Je weniger Leute ein Soziales Medium aktiv mit Leben erfüllen, umso unattraktiver wird es auch für passive Nutzer." Er gehe davon aus, dass sich dieser Abwärtstrend fortsetzen werde.

Bis 2017 80 Prozent weniger Nutzer?

Heintze schlägt damit in dieselbe Kerbe wie eine Forschergruppe der US-Uni Princeton, die schon Anfang 2014 einen massiven User-Schwund auf Mark Zuckerbergs sozialem Netzwerk prophezeiten. Zwischen 2015 und 2017 könnten sich 80 Prozent der Nutzerschaft verabschieden, so der Schluss, zu dem die Forscher durch Vergleiche mit dem heute toten sozialen Netzwerk "MySpace" gekommen sind.

Beobachter wie Journalist Eric Markowitz warnten damals allerdings davor, diese Zahlen komplett ernst zu nehmen: "Die Autoren sind sicher klug, keine Frage, aber sie kommen aus dem Ingenieursbereich - und der ist nicht sonderlich bekannt für seine Studien über soziale Netzwerke."

Zwar hat auch Jason Mander, Forschungsdirektor vom Global Web Index, festgestellt, dass Facebook-Nutzer "ein wenig passiver" geworden sind - die Menschen besuchten Facebook aber weiter, zitiert ihn die FAZ. Die Nutzer seien häufiger mobil im Netzwerk unterwegs, zudem würden WhatsApp und Instagram Funktionen übernehmen, die zuvor Facebook innegehabt habe, bei Diensten also, die mittlerweile ebenfalls dem Unternehmen gehören.

Auch deshalb müsse der Trend hin zur passiven Nutzung nicht schlecht für Facebook als Firma sein: "So lange die Menschen weiter Facebook besuchen, was sie in Scharen tun, kann das Unternehmen dort weiter Werbung zeigen und seinen Umsatz steigern."


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