Dienstag, 26. Juli 2016

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Klimagipfel in Paris Gates, Bezos und Co. stecken Milliarden in saubere Energie

Gefährdeter Luxus: Sieben geliebte Dinge, die der Klimawandel schon jetzt zerstört
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Getty Images

Einige weltbekannte Superreiche, darunter Bill Gates, Jeff Bezos, Ratan Tata und Jack Ma, sowie 20 Staaten setzen den Ton für die Klimaverhandlungen in Paris. Sie wollen Milliarden in saubere Energie für Entwicklungsländer investieren.

Die Steinzeit, so ist immer wieder einmal zu lesen, sei nicht wegen eines internationalen Vertrags gegen die Verwendung von Steinen zu Ende gegangen - sondern weil es bessere technische Alternativen gab. Zwei aufeinander abgestimmte Milliarden-Programme von 20 Staaten und knapp 30 Privatunternehmern sollen nun die Nutzung sauberer Energie in Entwicklungsländern fördern, um im Kampf gegen den Klimawandel voranzukommen. Offiziell vorgestellt werden soll die "Mission Innovation" am Montag auf dem Klimagipfel in Paris, wo derzeit unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ein Abkommen zum Schutz des Weltklimas nach 2020 beraten wird.

Einer der Schlüsselfiguren der neuen Initiative ist der frühere Microsoft-Chef Bill Gates. Er soll sie zusammen mit US-Präsident Barack Obama, dem französischen Staatschef François Hollande und Indiens Präsident Narendra Modi präsentieren - und auch mit bezahlen. Die Voraussetzung dafür: Neben Privatkapital, das neben Gates von knapp 30 weiteren Unternehmern der sogenannten "Breakthrough Energy Coalition" kommt, müsse auch öffentliches Fördergeld fließen. Gates hatte sich bereits während der Uno-Generalversammlung im September mit Hollande und Modi getroffen.

Laut der Webseite der Initiative ist es ihm unter anderem gelungen, die IT-Größen Mark Zuckerberg (Facebook), Jack Ma (Alibaba), Jeff Bezos (Amazon), Meg Whitman (HP) mit ins Boot zu holen. Aus Deutschland ist SAP-Mitgründer Hasso Plattner mit dabei. Weiteres Geld kommt unter anderem auch von Ratan Tata, früherer Chef der indischen Tata-Group, dem südafrikanischen Bergbau-Milliardär Patrice Motsepe oder Aliko Dangote, dem ein Mischkonzern in Nigeria gehört.

Förderung innerhalb von fünf Jahren verdoppeln

Von öffentlicher Seite haben insgesamt 20 Staaten bisher Unterstützung zugesichert. Dabei sind neben der EU und Norwegen unter anderem Kanada, die USA, Japan, Australien, Brasilien, Indien, China und Indonesien, aber auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate - eine bunt gemischte Staatenkoalition mit jeweils wohl ganz unterschiedlichen Motiven für die Teilnahme.

Sie alle versprechen in einem Statement zum Start der Initiative, innerhalb von fünf Jahren ihre öffentliche Förderung für die Entwicklung sauberer Energien möglichst zu verdoppeln. Nach einer Rechnung des Weißen Hauses stellen die beteiligten Staaten aktuell 80 Prozent der weltweiten Mittel im Bereich der grünen Technologien.

Für die demokratische US-Regierung könnte es zur Herausforderung werden, ihre geplante Beteiligung an dem Programm durch den Kongress zu bekommen. Die Republikaner haben angekündigt, ihr Veto gegen jegliche Klimahilfen einzulegen, die Obama in Paris ankündigt.

Schmackhaft machen wird man ihnen eine Zustimmung nun wie folgt: Das staatliche Geld soll für Grundlagenforschung eingesetzt werden, um die Kosten der Technologien langfristig zu senken. Der Privatsektor soll mit dann daraus Produkte für die saubere Energieversorgung entwickeln - und damit durchaus Geld verdienen.

Indien als Schlüsselland

Das Programm soll zum Beispiel Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für Energiespeicher fördern. So verweist Bill Gates in seinem Statement ("Energie-Innovation - Warum wie Sie brauchen und wie wir sie bekommen") darauf, dass Benzin eine 60-fach höhere Energiedichte hat als die aktuell besten Lithium-Ionen-Akkus - und auch Kohle um den Faktor 37 besser liegt. Die Speicherung von sauberem Strom müsse billiger werden - durch neue Technologien und eine bessere Vernetzung der Systeme.

Im Kern geht es darum, den Einsatz erneuerbarer Energien zu einer attraktiven Option auch in Entwicklungsländern zu machen. So verweist Indien bei den Klimaverhandlungen stets darauf, dass es im Land noch mehrere hundert Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität gebe. Sie ans Netz zu bringen, wenn nötig mit Kohlestrom, sei die erste Priorität der Regierung - und Klimaschutz eben nur die zweite.

Nachdem sich die USA und China im Vorfeld des Klimagipfels zumindest auf moderate Verbesserungen beim Klimaschutz geeinigt haben, gilt Indien bei Beobachtern als eines der Schlüsselländer für einen Erfolg von Paris. Das Land ist bereits jetzt der drittgrößte CO2-Emittent der Welt. Förderprogramme für erneuerbare Energien können womöglich dabei helfen, dass die Regierung von Premierminister Narendra Modi einem Abkommen am Ende zustimmt. Der massive Ausbau von Wind-, Wasser- und Sonnenkraft ist Kern des nationalen Klimaplans, den Indien Anfang Oktober vorgestellt hat.

Die Förderung erneuerbarer Energien ist eigentlich auch Aufgabe der vor rund fünf Jahren gegründeten Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (Irena) mit Hauptsitz in Abu Dhabiden Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Außenstelle in Bonn. Die Organisation ist bisher nicht unbedingt mit großen Initiativen aufgefallen. Sie hat im Rahmen ihrer Studie "Remap 2030" aber ausgerechnet, dass der Anteil erneuerbarer Energien weltweit von aktuell 18 Prozent auf bis zu 36 Prozent im Jahr 2030 steigen könnte.


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