Freitag, 20. Juli 2018

Panama Papers Die meisten Firmennamen stehen jetzt im Netz

Kanzlei Mossack Fonseca

Die Panama Papers enthüllen, wie Firmen, Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen über Briefkastenfirmen verstecken. Die Kanzlei Mossack Fonseca wollte eine Veröffentlichung im großen Stil verhindern. Genau das ist jetzt passiert. Jetzt kann jeder den Großteil der Daten online einsehen.

Fünf Wochen nach den ersten Berichten über die Panama Papers hat das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) die Rohdaten über Hunderttausende Briefkastenfirmen veröffentlicht. Der Datensatz decke den wichtigsten Teil der 11,5 Millionen Unterlagen ab, die von der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca durchgesickert waren, teilte das ICIJ mit.

Er beinhalte die Namen von mehr als 200.000 Personen oder Unternehmen, die sich hinter den Offshore-Firmen verbergen. Nachdem die Daten am Montagabend ins Internet gestellt worden waren, war der Server zweitweise überlastet und nicht zu erreichen.

"Es ist wahrscheinlich die größte Datenbank über geheime Offshore-Firmen und die Hintermänner, die je veröffentlicht wurde", teilte das ICIJ mit. Eine "Müllhalde" für Originaldokumente solle die Plattform allerdings nicht sein. Persönliche Daten wie Kontoverbindungen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Ausweispapiere seien nicht enthalten.

ICIJ-Chef Gerard Ryle begründete die Veröffentlichung mit dem Gebot der Transparenz. Und er erhoffe sich weitere Enthüllungen mithilfe der Zivilgesellschaft, der der gewaltige Datensatz nun zur Verfügung stehe.

Über einzelne Fälle will das Journalisten-Konsortium weiter berichten

Die "Süddeutsche Zeitung" und weitere Medien, die in dem Konsortium zusammengeschlossen sind, würden jedoch in den kommenden Wochen und Monaten weiter über einzelne Fälle berichten, an denen ein öffentliches Interesse besteht, kündigte das ICIJ an. An den Recherchen in den über elf Millionen Dokumenten waren weltweit fast 400 Journalisten beteiligt.

Zahlreiche Medien hatten Anfang April über die gut 200.000 von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Veröffentlichung der Panama Papers führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt und einer internationalen Debatte über Steueroasen und Geldwäsche.

Mossack Fonseca sieht sich als Opfer eines Datendiebstahls und betont, sich bei ihren Geschäften stets an die Gesetze zu halten. Das Unternehmen gründet Kapitalgesellschaften und verkauft sie an Zwischenhändler wie Banken, Anwälte und Vermögensberater, die sie wiederum an ihre Endkunden weitergeben.

Bis zuletzt versuchte die Kanzlei, die Veröffentlichung der Rohdaten zu verhindern. In der vergangenen Woche forderte sie das ICIJ auf, die Plattform nicht online zu stellen. "Es handelt sich um gestohlene Informationen. Das stellt eine Verletzung des Verschwiegenheitsabkommens zwischen Anwalt und Mandant dar, das wir beschützen müssen", hieß es in einer Stellungnahme.

sun/rei/dpa/AFP

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