Dienstag, 11. Dezember 2018

Doppel-Olympiastadt Peking Peking trägt Winterolympiade 2022 aus - die wichtigsten Fakten

Peking erhielt den Zuschlag als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2022 - damit ist die Stadt die erste Metropole, in der sowohl Sommer- als auch Winterolympiade ausgetragen werden

Die Stadt
In der Hauptstadt der Volksrepublik China leben 13,5 Millionen Menschen, im Großraum Peking sind es sogar 21,5 Millionen. Dieser erstreckt sich über eine Fläche von knapp 17.000 Quadratkilometern, das ist etwa so groß wie Thüringen. Der Großraum ist kein zusammenhängendes Stadtgebiet, sondern geprägt von ländlicher Siedlungsstruktur. Peking ist das politische Zentrum Chinas, als regierungsunmittelbare Stadt aber der Zentralregierung unterstellt. Zu Pekings Kulturerbe gehören der Platz am Tor des Himmlischen Friedens und die Verbotene Stadt mit dem ehemaligen Kaiserpalast (Unesco-Weltkulturerbe).

Geografie und Klima
Peking liegt in der Region Nordchina, im Winter ist die Stadt Mitteleuropa sieben Stunden voraus. Sie befindet sich im Durchschnitt 63 Meter über dem Meeresspiegel und ist umgeben vom Mongolischen Plateau. Der höchste Berg der Großregion ist der Ling Shan mit 2303 Metern. Peking ist etwa 150 Kilometer von der pazifischen Küste entfernt und hat ein kontinentales Klima mit warmen, feuchten Sommern und kalten, trockenen Wintern. Die Durchschnittstemperatur beträgt knapp zwölf Grad Celsius, am kältesten ist es im Januar, dann kann es bis zu -20 Grad kalt werden.

Erfahrung mit Großveranstaltungen
Pekings Bewerbungsslogan lautete "Ein wunderbares Wiedersehen auf Schnee und Eis" - eine Anspielung auf die Olympischen Sommerspiele 2008, die die Stadt ausrichtete. In diesem Sommer findet dort zudem die Leichtathletik-WM statt. So viel Erfahrung gefiel den Experten des IOC, die Pekings Bewerbung nach ihrer Inspektion lobten: "Der olympische Geist, den Peking und China 2008 gezeigt haben, ist lebendig und stärker als je zuvor", sagte Kommissionsmitglied Alexander Schukow damals. Nun ist Peking die erste Stadt, die Olympische Sommer- und Winterspiele austrägt.

Sportstätten
Es sollen sechs Anlagen der Sommerspiele vor sieben Jahren genutzt werden. Geplant ist unter anderem, dass die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie im Olympiastadion (Spitzname "Vogelnest") durchgeführt wird; auch Eishockey, Eisschnelllauf oder Curling sollen in bestehenden Arenen stattfinden. Investiert werden muss dagegen für die Schneewettbewerbe, denn die Anlagen für die alpinen Wettkämpfe im 90 Kilometer entfernten Yanqing, wo auch Bob, Rodel und Skeleton gefahren wird, gibt es noch nicht. In der etwa 190 Kilometer nordöstlich gelegenen Stadt Zhangjiakou sollen zudem in Wintersportressorts die nordischen, Skisprung-, Snowboard- und Freestyle-Wettbewerbe ausgetragen werden. Das geplante Gesamtbudget liegt bei derzeit 3,08 Milliarden Euro.

Video: Verkündung durch das IOC

Kritik
Im Großraum Peking ist es im Winter zwar kalt, doch es schneit nur sehr wenig. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass die Ski- und Snowboard-Anlagen sowie die Loipen und Schanzen für die nordischen Disziplinen fast ausschließlich mit Kunstschnee präpariert werden. Die Errichtung der neuen Schneesportstätten wird nicht ohne erheblich Eingriffe in die Natur und die derzeitige Besiedlung des Gebiets möglich sein. Auch die Entfernung von Peking ist enorm: Bislang dauert die Autofahrt nach Zhangjiakou rund vier Stunden. Deshalb planen Organisatoren und Regierung einen neuen Schnellzug, der beide Städte in 70 Minuten verbinden soll. Die Fahrt in Pekings Außenbezirk Yanqing verkürzt sich dann von knapp zwei Stunden auf 20 Minuten.

Menschenrechtslage
Die Menschenrechtsorganisationen sahen im Vorfeld der Vergabe beide Bewerber kritisch. "Wir haben in China bereits Olympische Spiele gesehen, bei denen Menschenrechte verletzt wurden. Und die Situation heute ist noch schlimmer als 2008", sagt etwa Minky Worden von Human Rights Watch. China steht außerdem auf dem Korruptionsindex von Transparency International mit 40 Punkten auf Platz 80. Zum Vergleich: Dänemark ist auf der Liste mit 92 Punkten das Land mit der höchsten Wahrnehmung von Korruption, Deutschland ist Zwölfter. Auch die Situation der Pressefreiheit hat sich in den vergangenen sieben Jahren nicht wesentlich verbessert.

Video: Pekings Bewerbung

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Bild: REUTERS

psk/Spiegel Online

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