Freitag, 18. Januar 2019

Teure Ölförderung Jetzt rächt sich, dass ein Arbeiter in Norwegen 179.000 Dollar verdient

Bohrinsel in der Barentsee: Viele Förderprojekte in Norwegen drohen unwirtschaftlich zu werden

Norwegen hat seinen Reichtum üppigen Ölvorkommen zu verdanken. Doch der Wohlstand könnte sich zum Bumerang entwickeln: Angesichts hoher Lohnkosten und fallender Ölpreise drohen neue Förderprojekte unwirtschaftlich zu werden.

Hamburg - Der heftige Ölpreisverfall der vergangenen Wochen hat viele mögliche Verlierer: Die Opec, Russland, vielleicht auch Siemens Börsen-Chart zeigen. Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg fügt der Liste einen unerwarteten Kandidaten hinzu: Norwegen.

Das skandinavische Land gilt als vorbildlich darin, den Rohstoffreichtum gerecht zu verteilen. Nicht zuletzt verdienen Arbeiter in der Offshore-Ölindustrie prächtig - laut dem Bloomberg-Bericht im Schnitt 179.000 Dollar im Jahr.

Genau das könnte jetzt ein Problem werden, wo der Ölpreis auf etwa 85 Dollar je Fass der Sorte Brent Börsen-Chart zeigen gefallen ist. Die Personalkosten sind in Norwegen so hoch wie in fast keinem anderen Land. Förderprojekte lohnen sich deshalb nur, wenn der Ölpreis hoch ist und so die Kosten deckt.

Statoil-Chef Lund sieht Ölpreis von 100 Dollar als kritische Grenze

Ein Ölpreis von 100 Dollar pro Fass sei früher der Anlass gewesen Champagnerfalschen zu öffnen, sagte Helge Lund, scheidender Chef des Staatskonzern Statoil. Heutzutage reiche er gerade, um die Ausgaben für neue Vorhaben zu decken. Alles, was darunter liegt, bedroht demzufolge Steuereinnahmen und Wirtschaftswachstum.

Sollte der Ölpreis nicht bald wieder über die Marke von 100 Dollar springen, droht Norwegen ein doppeltes Problem. Schon seit 13 Jahren ist die Ölproduktion rückläufig. Bisher war das wegen ständig steigender Preise nicht schlimm, nun drohen Umsatzeinbußen. Zudem sind neue Fördervorhaben wie in der Barentsee in Gefahr, die endlich wieder einen Anstieg der Fördermenge bringen sollten, berichtet Bloomberg.

"Norwegen ist bei einem Verfall des Ölpreises verletzlicher als andere Länder", sagte Swedbank-Analyst Teodor Sveen Nilsen. "Wenn der Ölpreis eine Weile auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt, wird es zu einem veränderten Investmentverhalten kommen."

Statoil trägt den hohen Förderkosten bereits Rechnung. Ein Effizienzprogramm soll bis 2016 eine Ersparnis von 1,3 Milliarden Dollar im Jahr bringen.

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