Dienstag, 20. November 2018

Make America hate again Mutmaßlicher Bombenbauer ist offenbar glühender Trump-Fan

Paketbombenserie in den USA: Festnahme in Florida
AFP/ WPLG

Manager im Stripklub, Tänzer und Trump-Fan: Hinter der Paketbombenserie gegen prominente Politiker und Medienleute in den USA soll ein 56-Jähriger aus Florida stecken. Der spektakuläre Fall setzt den Präsidenten unter Druck.

Dieser weiße Lieferwagen, er sagt eigentlich alles. Cesar S. hat ihn vollgeklebt mit Bildern. Hillary Clinton hat ein Fadenkreuz über dem Gesicht, ebenso Barack Obama. Daneben steht: "CNN ist Mist." Und dann sind da jede Menge Aufkleber, die nur einen Mann loben und preisen - US-Präsident Donald Trump.

Jetzt sitzt Cesar S. im Gefängnis. Der 56-Jährige aus Aventura in Südflorida steht unter dringendem Tatverdacht, jene 13 Paketbomben verschickt zu haben, die seit Tagen ganz Amerika in Atem halten. Sie gingen unter anderen an die Clintons, an Obama, an den Investor George Soros oder auch an den Schauspieler Robert De Niro. Also an politische Gegner Donald Trumps und Hassfiguren der amerikanischen Rechten.

Cesar S. ist offenbar Einzeltäter

Nach allem, was man bisher weiß, ist Cesar S. ein Einzeltäter. Die Fahnder kamen ihm schnell auf die Spur. Auf einer Rohrbombe, die an die demokratische Kongressabgeordnete Maxine Waters geschickt worden war, fanden sie am Donnerstag Fingerabrücke und DNA. Weil S. wegen diverser Delikte vorbestraft war, konnte das FBI ihn schnell in einer Datenbank ausfindig machen. Am Freitagmorgen wurde er dann in Florida auf dem Parkplatz vor einer Autowerkstatt festgenommen.

In einem ersten Verhör versuchte S. offenbar, die Sache herunterzuspielen. Er erklärte, die Rohrbomben seien so gebaut gewesen, dass sie niemanden hätten verletzen können. Er habe den Leuten bestimmt nicht wehtun wollen. Die Ermittler sehen das anders: FBI-Chef Christopher Wray machte deutlich, bei den Paketen habe es sich um "Improvised Explosive Devices", also um selbst gemachte Bomben gehandelt. Sie hätten sehr wohl explodieren können.

Cesar S. hat ein langes Strafregister, das bis 1991 zurückreicht. Unter anderem finden sich darin Betrugs- und Drogendelikte. Auch wurde er bereits einmal wegen einer Bombendrohung festgenommen. Da behauptete er, er würde ein Elektrizitätswerk in die Luft sprengen, das wäre dann schlimmer "als der 11. September".

Verdächtiger lebte im weißen Trump-Mobil

Zuletzt hatte S. keinen festen Wohnsitz, sondern lebte nach US-Medienberichten in dem weißen Lieferwagen mit den Hassaufklebern. Seine Eltern, bei denen er vorher untergekommen war, sollen ihn aus dem Haus geworfen haben. Einer festen Arbeit ging S. demnach auch nicht nach.

Laut Gerichtsunterlagen gab er an, früher als Manager in einem Stripklub gearbeitet zu haben. Außerdem sei er professioneller Wrestler und Tänzer bei den Chippendales gewesen. Laut "Washington Post" arbeitete er noch bis Januar als Fahrer bei einem Pizzalieferdienst.

Die Sicherheitsbehörden wollten sich bislang nicht zu den Motiven äußern, die S. zu seinen Taten bewogen haben könnten. Fest steht, dass er den Republikanern angehört und das ist, was sie in den USA einen Trump-Superfan nennen. Im Internet gibt es mehrere Videos und Bilder, die ihn mit "Make America Great Again"-Mütze bei Trump-Auftritten zeigen.

Hassbotschaften im Internet

In den sozialen Medien soll S. etliche Hassbotschaften gegen Trump-Kritiker verbreitet haben. Ein Twitteraccount, der ihm zugerechnet wird, ist voll von kruden Verschwörungstheorien und Attacken gegen Trump-Kritiker. Eine frühere Kollegin von dem Pizzadienst in Florida sagt: "Er war wütend. Wütend auf die Welt, wütend auf Schwarze, Juden und Schwule."

Allein der US-Milliardär George Soros, an den eine der Rohrbomben adressiert war, taucht 34-mal bei seinen Twitter-Posts auf, Barack Obama 29-mal. In einem Tweet wird behauptet, die Überlebenden des Amoklaufs an der Parkland-Highschool in Florida würden von Soros bezahlt. In einem anderen Eintrag gratuliert er Donald Trump zum Geburtstag: "Happy Birthday greatest President Ever Trump Trump Trump."

Für Trump kommt der Fall Cesar S. zur Unzeit. Wenige Tage vor den Midterm-Wahlen am 6. November debattiert das Land erneut über Trumps Eignung als Präsident, über seine populistischen Parolen und über seine gnadenlosen Attacken auf politische Gegner.

Mehr denn je steht Trump als Spalter da, der durch seine Rhetorik Anhänger wie Cesar S. zu Gewalttaten anstiftet. Vor allem Wechselwähler könnte dies dazu bringen, ihr Kreuz diesmal bei den Demokraten zu machen, um ein Zeichen gegen Trump zu setzen.

Trump selbst versucht derweil, das unangenehme Thema so schnell wie möglich loszuwerden. Er gibt zu, dass ihn diese Sache mit der "Bombe" jetzt im Wahlkampf ärgert: "Das verlangsamt unser Momentum."

Auf die Frage von Reportern, ob er für den Fall irgendeine Art von Verantwortung trage, erklärte der Präsident nur: "Nein, überhaupt nicht."

 

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