Samstag, 16. Dezember 2017

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DIW-Studie Millionen verdienen weniger als den Mindestlohn

In vielen Jobs erhalten die Menschen weniger als den Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn hat für viele Beschäftigte Vorteile gebracht. Doch etliche Firmen drücken sich trickreich um die gesetzliche Vorgabe und drücken so den Mindestlohn, zeigt eine Studie. Demnach verdienen 1,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland weniger als den Mindestlohn - ehrlich gerechnet sind es noch viel mehr.

1,8 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland verdienen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, obwohl sie einen Anspruch darauf haben. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin für das vergangene Jahr ermittelt, indem es Beschäftigte befragte.

Die amtliche Statistik dagegen befragt die Arbeitgeber und kommt auf 1,1 Millionen Menschen, die weniger als die 2016 vorgesehenen 8,50 verdienten.

"Offensichtlich - und keineswegs unerwartet - wird das Mindestlohngesetz nicht in jedem Betrieb eins zu eins umgesetzt", sagte Studienautorin Alexandra Fedorets. Aus ihrer Sicht trickst ein Teil der Betriebe, etwa indem sie Bereitschaftszeiten nicht mehr bezahlen oder Kosten für Arbeitsmaterial vom Lohn abziehen.

Das DIW hatte die Beschäftigen in seiner Langzeitumfrage sozioökonomisches Panel auch nach ihrer tatsächlichen Arbeitszeit gefragt. Werden unbezahlte Überstunden beim Stundenlohn berücksichtigt, erhielten demnach sogar 2,6 Millionen Beschäftigte weniger als den Mindestlohn.

Dachdeckerhandwerk setzt Mindestlohn auf 12,90 Euro fest

Keinen Anspruch haben Selbstständige, Azubis und Beschäftigte in Branchen mit Übergangsfristen. Werden sie mitgezählt, erhalten sogar 4,4 Millionen Erwerbstätige weniger als den Mindestlohn, wie das DIW ermittelte.

Insgesamt habe der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn bedeutende Lohnsteigerungen gebracht, sagte Fedorets. "Jetzt muss alles darangesetzt werden, dass der Mindestlohn tatsächlich alle erreicht, denen er laut Gesetz auch zusteht". Zu Jahresbeginn war der Mindestlohn auf 8,84 Euro gestiegen.

Das Dachdeckerhandwerk indes will sich mit einem tariflichen Mindestlohn besser gegen Lohndumping aus dem Ausland schützen. Ab 2018 gelte für gelernte Dachdecker oder fachlich qualifiziert Arbeitende ein Mindestlohn von 12,90 Euro pro Stunde. Darauf hätten sich der Zentralverband des Dachdeckerhandwerks und die Gewerkschaft IG BAU geeinigt, teilte der Verband am Mittwoch mit. 2019 steigt der Satz auf 13,20 Euro.

Zugleich wird der bereits bestehende Mindestlohn für ungelernte Dachdeckerhelfer für 2018 und 2019 leicht von 12,25 auf 12,20 Euro gesenkt.

rei/dpa

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