Samstag, 18. November 2017

EZB vor Masseneinstellungen Frankfurts Makler bejubeln neue Banker-Einwanderungswelle

Frankfurter Ostend: Mehr als Tausend neue Mitarbeiter sollen im neuen Gebäude der Europäischen Zentralbank arbeiten

Ab 2014 soll die Europäische Zentralbank alle großen Geldhäuser des Kontinents überwachen. Bis dahin muss sie mehr als tausend neue Experten einstellen und so ihre Mitarbeiterzahl fast verdoppeln. Doch wie macht sie das? Und wer profitiert davon?

Frankfurt am Main - Fast jeder kennt die Geschichten über ehemalige Investmentbanker, die wegen der Finanzkrise ihren Job verloren haben und jetzt als Bistrobesitzer, Hüttenwirt oder Opernsänger den Sinn des Lebens suchen. Demnächst bietet sich den früheren Masters of the Universe eine neue Möglichkeit, den zweiten Karriereweg einzuschlagen - und dafür müssen sie nicht einmal das Finanzgewerbe verlassen: Die Europäische Zentralbank (EZB) sucht in Kürze händeringend nach neuem Personal, weil sie ab 2014 auch die Aufsicht über die Kreditinstitute des Kontinents übernehmen soll.

Mehr als tausend neue Mitarbeiter will die EZB bis Anfang 2014 einstellen. Ab dann soll die Notenbank gewährleisten, was ihr die Politik aufgetragen hat: Europas Banken durch verschärfte Kontrolle sicherer zu machen. Dafür braucht es Profis. Und so zücken in den nationalen Notenbanken, aber sicher auch in der Privatwirtschaft Banker, Juristen und Wirtschaftsprüfer derzeit ihre Taschenrechner, um zu schauen, ob sich ein Wechsel rechnen kann.

Insbesondere für Ex-Investmentbanker, die einen neuen Job suchen, wird der Vergleich zu dem, was sie bisher verdient haben, eher bitter ausfallen. Schließlich dürfte selbst ein erfahrener Mitarbeiter bei der EZB kaum mehr als 100.000 Euro im Jahr nach Hause bringen. Zwar fällt die Steuer- und Abgabenlast gering aus. Auch Zulagen gibt es. Verglichen mit den einstigen Verdienstmöglichkeiten mitsamt Boni in höherer sechsstelliger Höhe ist das allerdings überschaubar - kleine Münze eben.

Wer dagegen bisher bei der arbeitet oder der deutschen Finanzaufsicht BaFin, die sich bislang die Kontrolle der hiesigen Geldhäuser teilen, wird sich allemal verbessern, sobald er ins Frankfurter Ostend zieht. Dort bezieht die EZB im kommenden Jahr ihren neuen, prachtvollen Hauptsitz.

Banken-Aufpasser, IT-Experten, Statistiker gesucht

Noch freilich können sie sich nicht offiziell bewerben. Erst einmal muss das Europaparlament dem Aufbau der gemeinsamen Bankenaufsicht zustimmen, was es voraussichtlich im September tun wird. Dennoch ist Eile geboten bei dem Vorhaben, das EZB-Direktor Yves Mersch eine "Herkulesaufgabe" nennt: die einheitliche Aufsicht über mehr als 6000 Banken der Eurozone. Vor allem jener rund 30 Großbanken, die systemrelevant sind.

"Wir organisieren derzeit viele Informationsveranstaltungen bei den nationalen Aufsehern und haben die Jobprofile damit schon über 2000 Interessenten erklärt. Wir sind richtig in den Startlöchern", sagt eine EZB-Sprecherin. Die Notenbank sei auch an qualifizierten Experten aus der freien Wirtschaft interessiert. Eine Vorgabe, wie viele der neuen Aufseher aus welchem Land kommen sollten, gebe es nicht. Die meisten neuen Mitarbeiter werden Aufseher sein. Aber auch IT-Experten, Statistik-Fachleute sowie Juristen sollen eingestellt werden. Die Kandidaten müssen sich Auswahlgremien stellen, schriftliche Tests machen. Vielleicht werden sie auch von externen Firmen auf ihre Managementqualitäten geprüft.

So jedenfalls lautet der Plan. Doch wer oder was garantiert, dass die Kontrolle künftig besser wird, wenn am Ende bloß nationale Aufseher zur EZB wechseln und dort den gleichen Job machen, nur eben gemeinsam? Eine gesunde Mischung interner und externer Kenner der Materie soll es richten, rät der Personalberater Andreas Halin von Globalmind. "Wenn die EZB ihre neue Rolle ernst nimmt, wird sie auch Ex-Risikomanager oder Produktleute aus Banken einstellen. Die wissen genau, an welchen Stellschrauben in der Bilanz zu drehen sind, um bestimmte Effekt zu erzielen. Oder sie haben auch schon einmal selbst ein Derivat gebastelt."

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