Mittwoch, 26. September 2018

Vor Klimakonferenz EU will Emissionshandel in Schwung bringen

Braunkohle-Kraftwerk in Brandenburg: Deutschlands CO2-Ausstoß ist 2012 trotz mehr Ökostrom gestiegen

Kurz vor dem Beginn der Klimakonferenz in Warschau wollen die EU-Staaten den am Boden liegenden Handel mit Verschmutzungrechten reformieren. Der Erfolg der Klimakonferenz hängt stark an Deutschland.

Brüssel/Berlin - Kurz vor der Klimakonferenz in Polen haben die EU-Staaten die Reform des Emissionshandels als ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument auf den Weg gebracht. Eine breite Mehrheit der Vertreter aus den 28 Ländern stimmte am Freitag den Plänen von EU-Kommission und Parlament zu.

Die drei Institutionen können sich nun an die gemeinsame Ausarbeitung eines Gesetzestextes machen. EU-Diplomaten zufolge lehnten nur Polen und Zypern die Vorschläge zur Verschärfung des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten ab. Die polnische Wirtschaft ist stark von CO2-intensiven Kohlekraftwerken abhängig.

Bei der UN-Klimakonferenz in Warschau soll die Vorbereitungen für ein globales Klimaabkommen getroffen werden. Klimaschützer hoffen, dass der zweite Anlauf für ein solch komplexes Vertragswerk nicht zu einem solchen Reinfall wird wie der erste Versuch 2009 im dänischen Kopenhagen. Damals endete das Ringen um ein globales Klimaabkommen in einem Desaster. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. So hat es die Staatengemeinschaft schon 2011 im südafrikanischen Durban beschlossen.

Eine wichtige Vermittlerrolle kommt dabei auch Deutschland zu: Angela Merkel (CDU) könnte in ihrer dritten Amtszeit versuchen, wieder mehr die Klimakanzlerin zu geben, ist in Regierungskreisen zu hören. Eines ist klar: Ohne Vorkämpfer sind die Blockaden nicht aufzulösen, ohne Gegensteuern droht künftigen Generationen ein anderer Planet.

Das Paris-Protokoll soll Ziele für alle 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention beinhalten und von 2020 an in Kraft treten. Beim bisher einzigen verbindlichen Instrument, dem Kyoto-Protokoll, machen außer den EU-Ländern nur wenige Staaten mit. Doch werden sich auch China, Indien, Russland und die USA in die Pflicht nehmen lassen? Wie sollen Klimaschutzziele verbindlich festgelegt werden? Und wer überprüft am Ende die Einhaltung von CO2-Minderungszielen? Ausgerechnet im Kohleland Polen sollen auf der Klimakonferenz bis zum 22. November nun einige Antworten darauf gefunden werden.

USA: Fracking senkt CO2-Ausstoß

Wegen der weiterhin enormen Öl- und Kohle-Vorkommen ist eine Trendwende bisher kaum zu erkennen, um die Erderwärmung auf noch beherrschbare zwei Grad zu begrenzen. Gastgeber Polen etwa hat sich bislang erfolgreich dagegen ausgesprochen, dass die Europäische Union als Vorreiter ihr Klimaschutzziel von minus 20 Prozent beim Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 auf 30 Prozent im Vergleich zu 1990 erhöht.

Seit 1880 ist die Temperatur schon um 0,85 Grad gestiegen, Klimaforscher warnen vor vier Grad und mehr. Sie haben ihre Arbeit im Wesentlichen getan. Im Grunde hatte der Weltklimarat mit seinem vierten Report 2007 schon alles gesagt, was er Ende September im ersten Teil seines fünften Reports zum Großteil bestätigt und in Teilen sogar verschärft hat. Dass der Mensch Hauptursache für den Klimawandel ist, steht nun zu 95 bis 100 Prozent fest. Meeresspiegel steigen schneller als erwartet, es drohen weltweite Verwerfungen.

Aber es gibt auch Lichtblicke. In den USA sinkt der CO2-Ausstoß unter anderem wegen der vermehrten Gas- statt Kohlenutzung, vor allem dank der Fracking-Techologie. China führt im südchinesischen Shenzhen einen Emissionshandel ein, so ein Kauf von Verschmutzungsrechten soll landesweit Schule machen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH