Mittwoch, 19. September 2018

John McCain gestorben Trump darf nicht zu McCains Begräbnis

John McCain (Archivaufnahme, Oktober 2017)

In den USA haben die Republikaner mit dem Tod von Senator John McCain den schärfsten innerparteilichen Kritiker von Präsident Donald Trump verloren. Hochrangige Politiker aus aller Welt und der oppositionellen Demokraten würdigten den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten am Sonntag als vorbildlichen Patrioten, der für die höchsten Werte und Tugenden Amerikas gestanden habe.

In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder Front gegen seinen Parteikollegen Trump gemacht und damit dessen Zorn auf sich gezogen. Der Präsident sprach in einer Twitter-Nachricht McCains Familie seine "tiefsten Sympathien und Respekt" aus. Beim Staatsbegräbnis darf Trump offenbar nicht dabei sein. Dies habe McCain selbst seiner Familie aufgetragen, berichtete CNN unter Berufung auf Freunde der Familie.

John McCain erlag am Samstag nur wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag im Kreise seiner Familie einem Gehirntumor, der vor gut einem Jahr diagnostiziert worden war. "Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er den Vereinigten Staaten von Amerika 60 Jahre lang treu gedient", erklärte sein Büro. McCain vertrat im US-Kongress mehr als drei Jahrzehnte lang den Bundesstaat Arizona.

Kurz nach der Krebsdiagnose hatte Cain im Senat einen Auftritt, der als seine Abschiedsrede gilt. Darin rief er die Republikaner unter anderem dazu auf, Trump die Stirn zu bieten und dafür zu sorgen, dass Amerika das "Leuchtfeuer der Freiheit" in der Welt bleibt. McCain war stolz auf seinen Ruf als Querdenker, bisweilen lag er auch mit der eigenen Partei über Kreuz. In der Außen- und Verteidigungspolitik sowie in der Frage der Abtreibung vertrat er typisch konservative Positionen. Dagegen lag er etwa bei den Themen Klimawandel und Finanzreform nicht auf Parteilinie. Ferner sprach er sich gegen die umstrittene Foltertechnik des sogenannten Waterboarding und für eine Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba aus.

Attacke auf den Kriegsveteranen

Zum Konflikt mit Trump kam es, als McCain mit seiner Stimme entscheidend dazu beitrug, dass die unter Trumps Vorgänger Barack Obama verabschiedete Gesundheitsreform ("Obamacare") nicht gekippt wurde. Auch Trumps harte Rhetorik zur illegalen Einwanderung und seine Angriffe auf die Presse stießen auf die Kritik des Senators. Nach dem Gipfel mit Russlands Präsident Wladimir Putin vor wenigen Wochen in Helsinki warf McCain Trump Naivität, Egoismus und Sympathie für Autokraten vor.

In seinen im Mai veröffentlichten Memoiren stellte er dem Präsidenten ein schwaches Charakterzeugnis aus: "Schmeichelei sichert seine Freundschaft, Kritik seine Feindschaft." Trump schoss regelmäßig zurück. So erklärte er, für ihn sei der Vietnamkriegsveteran McCain kein Held: "Ich mag Leute, die nicht gefangengenommen wurden." McCain war 1967 nach dem Abschuss seines Kampfjets schwer verletzt in Gefangenschaft geraten, in der er auch gefoltert wurde. Erst fünfeinhalb Jahre später wurde er freigelassen.

Über die Grenzen der USA hinaus wurde McCain 2008 bekannt, als er als Präsidentschaftskandidat gegen Obama antrat. Dieser gewann allerdings und wurde der erste schwarze Präsident in der US-Geschichte. Obama sprach anschließend mit Hochachtung von seinem Opponenten und bezeichnete ihn als einen Idealisten. In einer Erklärung anlässlich McCains' Tod würdigte er diesen für den "Mut, ein höheres Gut über uns selbst zu stellen". Trumps Vorvorgänger und Parteikollege George W. Bush nannte McCain einen "Patrioten höchsten Ranges". Ähnlich äußerten sich der ehemalige Präsident Jimmy Carter von den Demokraten und der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau.

Für die Bundesregierung erklärte Außenminister Heiko Maas: "Er stand für ein Amerika, das ein verlässlicher und enger Partner ist. Ein Amerika, das aus Stärke Verantwortung für andere übernimmt und auch in schwierigen Momenten zu seinen Werten und Prinzipien steht - und darauf seinen Führungsanspruch gründet." Frankreich Präsident Emmanuel Macron nannte McCain einen "wahren amerikanischen Helden".

Mit McCains Tod sinkt die Mehrheit der Republikaner im Senat vorübergehend auf 50 Sitze, die Demokraten kommen auf 49 in der 100-köpfigen Kammer. Doch es wird erwartet, dass Arizonas republikanischer Gouverneur Doug Ducey einen Nachfolger aus der eigenen Partei bestimmt, der das bis 2020 laufende Mandat übernimmt. Den Republikanern könnte das bei kommenden Abstimmungen helfen, da McCain krankheitsbedingt in diesem Jahr sein Votum nicht mehr abgeben konnte.

reuters

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