Sonntag, 29. Mai 2016

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Befragung Deutschlands Studenten zieht es in den Staatsdienst

Non scholae, sed vitae discimus: Für Deutschlands Studenten ist der Öffentliche Dienst ein attraktiver Arbeitgeber.

Sicherheit statt Risiko: Laut einer Befragung der Unternehmensberatung Ernst & Young ist der Öffentliche Dienst die attraktivste Branche für deutsche Studenten. Grund dafür sei vor allem die Hoffnung auf eine sichere Arbeitsstelle.

Hamburg - Deutschlands Studenten schätzen Vater Staat als Arbeitgeber: Ein knappes Drittel (30 Prozent) von ihnen hält den Öffentlichen Dienst für besonders attraktiv, wie eine am Mittwoch in Hamburg veröffentlichte Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) ergab. Damit ist der Staatsdienst die mit Abstand beliebteste Branche unter den Studenten, auf den Plätzen zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand Wissenschaft (19 Prozent) und Kultureinrichtungen (17 Prozent).

Allein in die Privatwirtschaft will insgesamt fast die Hälfte (47 Prozent) der Befragten, ein Drittel (32 Prozent) strebt ausschließlich eine Stelle bei einem staatlichen oder öffentlichen Arbeitgeber an. Für 21 Prozent der Studenten sind sowohl öffentliche wie auch private Arbeitgeber attraktiv. "Manche Studenten haben offensichtlich eine gewisse Scheu vor der freien Wirtschaft - sie stellen sich einen Job in der Privatwirtschaft wohl als extrem zeitaufwendig, unsicher und mit privaten Belangen schwer vereinbar vor", erklärte EY-Expertin Ana-Cristina Grohnert.

Sicherheit wichtiger als flache Hierarchien

Ein wesentlicher Grund für die Attraktivität des Staatsdienstes dürfte der Wunsch vieler Studenten nach einem sicheren Job sein: Als wichtigste Kriterien für die Berufswahl nennen 61 Prozent der Befragten die Jobsicherheit, gefolgt vom Gehalt (59 Prozent) und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (57 Prozent). Flache Hierarchien und Kollegialität sind dagegen nur rund jedem Fünften (22 Prozent) wichtig. Mehrfachnennungen waren möglich.

Jobsicherheit ist für Frauen von größerer Bedeutung als für Männer. Die wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers sind der Umfrage zufolge für die Studentinnen Jobsicherheit (66 Prozent), Vereinbarkeit von Familie und Beruf (65 Prozent) und Gehalt (57 Prozent). Bei den Männern steht dagegen ganz oben das Gehalt (60 Prozent), gefolgt von Jobsicherheit (56 Prozent) und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (48 Prozent).

Bei Studentinnen ist der Öffentliche Dienst entsprechend noch beliebter als bei ihren männlichen Kommilitonen. Während dieser Bereich für 36 Prozent der Frauen besonders attraktiv ist, liegt der Anteil bei Männern nur bei 23 Prozent.

Bank-Interessierte hoffen auf höchste Einstiegsgehälter

In der Rangfolge der beliebtesten Branchen für alle Studenten folgen auf den Öffentlichen Dienst, die Wissenschaft und Kultureinrichtungen die Bereiche Gesundheitswesen/Pharma (16 Prozent), Beratung/Prüfung (15 Prozent) und die Autoindustrie (14 Prozent). In die Bankenbranche zieht es dagegen nur sechs Prozent der Befragten, zu Versicherungen sogar nur drei Prozent.

Wer allerdings in die Bankenbranche strebt, rechnet mit dem höchsten Einstiegsgehalt. Zum Berufseinstieg erwarten die Studenten dort 42.700 Euro im Jahr. Trotz des überdurchschnittlichen Gehaltsniveaus seien Banken derzeit aber nur für wenige Studenten attraktiv, erklärte EY-Expertin Grohnert. Das zeige, dass die Branche den Imageverlust aus der Finanzkrise noch nicht überwinden habe. Zudem sei es ein Beleg dafür, "dass ein hohes Gehalt für die Studenten nur ein Faktor unter vielen ist". Für die Studie wurden online rund 4300 Studenten befragt.

luk/afp/dpa

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