Samstag, 25. Juni 2016

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Drei Jahre nach Fukushima Japan beschließt Wiedereinsteig in die Atomkraft

Prüfung kontaminierter Wassertanks in Fukushima: Japan hat die Folgen der größten Atomkatastrophe nach Tschernobyl noch längst nicht überstanden, die Regierung hat aber den Ausstieg aus dem Ausstieg der Kernenergie beschlossen

Trotz massiver Ablehnung in der Bevölkerung setzt Japans Regierung wieder auf die Kernenergie. Abgeschaltete Atommeiler will man wieder hochfahren. Für AKW-Betreiber könnte die Wende aber ohnehin zu spät kommen.

Tokio - Das Kabinett in Tokio hat am Freitag einen langfristigen Energieplan beschlossen, der drei Jahre nach der Fukushima-Katastrophe den Ausstieg der Vorgängerregierung rückgängig macht. Darin wird die Atomkraft als "wichtige Energiequelle für die Grundversorgung" bezeichnet.

Der Energieplan definiert Kernenergie als "wichtige Quelle" zur Abdeckung der Grundlast bei der Energieversorgung. Man werde wieder Atomreaktoren hochfahren, die die neuen Sicherheitsauflagen erfüllen. Zugleich wolle man "so weit wie möglich" die Abhängigkeit vom Atomstrom verringern. Zahlen für einen Energiemix gibt es nicht.

Japan deckte vor dem Fukushima-Unglück knapp ein Drittel seines Energiebedarfs über die Kernkraft. Als Reaktion auf das Desaster beschloss die Regierung der Demokraten den Ausstieg. Allerdings übernahmen die Liberaldemokraten Ende 2012 die Macht. Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Abgeordneten seiner Partei und des Koalitionspartners Neue Komeito monatelang bearbeitet, um ihre Zustimmung zum neuen Energie-Plan zu gewinnen.

80 Prozent der Bevölkerung wollen Ausstieg aus Atomkraft

Die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen die Atomkraft sind groß. Eine Befragung der Zeitung "Asahi" im vergangenen Monat ergab, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung den Ausstieg aus der Kernkraft wollen. Neben der Katastrophe selbst sind die anhaltenden Probleme des Fukushima-Betreibers Tokyo Electric Power (Tepco) bei der Bewältigung der Folgen Grund für die Skepsis.

Einer Reuters-Analyse zufolge können möglicherweise zwei Drittel der japanischen Reaktoren wegen der Kosten für verschärfte Sicherheitsauflagen und anderer Faktoren gar nicht wieder ans Netz gehen. Für die japanische Atomindustrie könnte die Wende ohnehin zu spät kommen. Die AKW-Betreiber sind auf hohen Verlusten sitzengeblieben. Die Versorger Hokkaido Electric Power und Kyushu Electric Power baten jüngst den Staat um Hilfe. Tepco musste bereits 2012 aufgefangen werden.

Japan zahlt für seine Atompause zugleich einen hohen Preis. Es hat fast 90 Milliarden Dollar für fossile Brennstoffe ausgegeben, um den Strombedarf konventionell zu decken. Die Handelsbilanz des Inselstaates kommt wegen der Importe nicht aus den roten Zahlen heraus.

Zwei Drittel der AKWs scheitern womöglich an Sicherheitsauflagen

Durch ein verheerendes Erdbeben und einen Tsunami am 11. März 2011 war das Atomkraftwerk Fukushima so schwer beschädigt worden, dass die Kühlanlagen ausfielen. In der Folge kam es in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze.

Große Mengen Radioaktivität traten aus, zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Aufräumarbeiten dauern an, dabei kommt es immer wieder zu neuen Pannen. Experten schätzen, dass es noch vier Jahrzehnte dauern könnte, bis die Anlage komplett abgebaut ist.

rei/dpa/afp/rtr

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