Samstag, 17. November 2018

Verdächtige im Fall Khashoggi offenbar Begleiter von bin Salman Es wird eng für den saudischen Kronprinzen

Was weiß er wirklich? Kronprinz bin Salman bestreitet jede Verwicklung des saudischen Königshauses in dem mutmaßlichen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi

Im Fall des verschwundenen und vermutlich toten Journalisten Khashoggi soll es direkte Verbindungen zum saudischen Königshaus geben, berichtet die "New York Times". Kronprinz bin Salman bestreitet eine Verwicklung des Königshauses in dem Fall. Türkische Zeitungen veröffentlichen derweil grausame Details über die mutmaßliche Folter des Journalisten.

Mehrere der von der Türkei identifizierten Verdächtigen im Fall des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi stammen einem Bericht zufolge aus dem direkten Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Das schrieb die "New York Times" in der Nacht zu Mittwoch unter anderem unter Berufung auf Gesichtserkennung, Profile in den sozialen Netzwerken, Medienberichte und geleakte saudische Regierungsdokumente.

Ein Verdächtiger sei gesehen worden, wie er mit dem Kronprinzen aus Flugzeugen in Paris und Madrid gestiegen sei, zudem sei er beim Wachestehen während seiner Besuche in diesem Jahr in Houston, Boston und bei den Vereinten Nationen fotografiert worden. Drei weitere Verdächtige seien anhand von Zeugen und anderen Aufzeichnungen dem Sicherheits-Einsatzkommando des Kronprinzen zugeordnet worden. Der fünfte sei ein Gerichtsmediziner, der eine hochrangige Position im saudischen Innenministerium innehabe.

US-Präsident Donald Trump hatte gesagt, der Kronprinz habe ihm versichert, dass die saudische Führung nichts von den angeblichen Vorkommnissen in der saudischen Botschaft in Istanbul gewusst habe. Hatte Trump Saudi Arabien noch wenigen Tagen für den umgekehrten Fall ernsthafte Konsequenzen angedroht, nahm der US-Präsident den Kronprinzen in jüngeren Kommentaren jetzt explizit in Schutz.

Die USA sehen in Saudi Arabien den engsten Verbündeten für ihre Interesse im Nahen Osten. Zugleich kauft kein anderes Land soviel Waffen bei den USA wie das arabische Königreich.

Die türkischen Behörden gehen im Gegensatz zu Trump davon aus, dass Jamal Khashoggi von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Unter der Überschrift "15-köpfige Mörder-Truppe" wurden in der Zeitung "Sabah", aber später auch der Regierungszeitung "Yeni Safak" und anderen Medien einige der Saudis namentlich identifiziert.

Die "New York Times" berichtete weiter, von den 15 von türkischen Behörden identifizierten Verdächtigen hätten mindestens neun für saudische Sicherheitsdienste, Militär- oder Regierungseinrichtungen gearbeitet. Wenn diese Leute tatsächlich im saudischen Konsulat gewesen wären zu jener Zeit, als auch Khashoggi dort war, gebe es einen direkten Bezug von den Geschehnissen zum Kronprinzen.

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