Sonntag, 2. Oktober 2016

Währungsfonds reduziert Wachstumsprognose IWF rechnet mit geringerem Wachstum - und sieht nervöse Märkte als Gefahr für die Weltwirtschaft

IWF-Chefin Christine Lagarde: Die globale Wirtschaft dürfte in diesem Jahr nur noch um 3,6 Prozent wachsen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum abermals reduziert. Die Weltwirtschaft werde voraussichtlich in diesem Jahr um 3,4 Prozent und 2017 um 3,6 Prozent wachsen, teilte der IWF am Dienstag in Washington nach einer überarbeiteten Prognose mit. Das sind jeweils 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Oktober angenommen.

Für das vergangene Jahr geht der IWF von einem Wachstum um 3,1 Prozent aus. Für die Industrienationen sei von einem bescheidenen Wachstum auszugehen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern sei das Bild differenziert, in vielen Fällen aber problematisch.

"Die Wachstumserwartungen scheinen konsequent zu fallen", sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld auch mit Blick auf die längerfristige Entwicklung. Bereits beim Ausblick im Oktober hatten Obstfeld und sein Team die Erwartungen nach unten korrigiert.

Die größten Wachstumsrisiken sieht Obstfeld derzeit in der Wachstumsverlangsamung in China, der geldpolitischen Straffung in den USA gepaart mit einem starken Dollar sowie in einer möglichen Eskalation der bestehenden geopolitischen Spannungen.

Schwankungen am Finanzmarkt als Gefahr für die Weltwirtschaft

Mögliche Gefahren für die Weltwirtschaft sieht der IWF auch von den Finanzmärkten ausgehen. Ein plötzlicher Anstieg der Risikoaversion könne unabhängig von dem konkreten Auslöser weitere Abwertungen und finanzielle Belastungen in verwundbaren Schwellenländern hervorrufen, heißt es in dem aktuellen Ausblick. "In einem Umfeld höherer Risikoaversion und Marktschwankungen können auch auf ein relativ großes Schwellen- oder Entwicklungsland begrenzte Schocks breitere Ansteckungseffekte nach sich ziehen."

Besonders deutlich senkte der IWF seine Wachstumsprognose für Brasilien. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas dürfte 2016 demnach um 3,5 Prozent schrumpfen und in 2017 stagnieren. Besonders schwierig sei die Lage außerdem in Russland, wenn auch im kommenden Jahr mit einer Rückkehr zu Wachstum zu rechnen sei. Deutlich nach unten ging es mit den Prognosen auch für Saudi-Arabien, das wie Russland besonders stark vom Einbruch der Ölpreise betroffen ist.

Die Lage im Euroraum dagegen schätzt der IWF leicht optimistischer ein als zuletzt. Für 2016 korrigierten die Ökonomen das erwartete Wachstum um 0,1 Prozent auf 1,7 Prozent nach oben. Für 2017 geht er von der gleichen Wachstumsrate aus. Auch für Deutschland rechnet der Währungsfond mit einem Wachstum von jeweils 1,7 Prozent in diesem und im kommenden Jahr und hat damit seine Wachstumserwartungen nach oben korrigiert.

la/reuters/dpa

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