Sonntag, 22. Juli 2018

100.000 Euro und keinen Cent mehr Italiens Flat Tax lockt Superreiche aus dem Ausland

Yachten vor Portofino: Italiens Ministeuer für Ausländer scheint viele superreiche Ausländer anzulocken

Seit dem vergangenen Jahr lockt Italien reiche Ausländer mit einer neuen Einheitssteuer. Das scheint zu funktionieren. Bislang 150 Superreiche aus aller Welt wollen ihren Wohnsitz in "Bella Italia" anmelden. Sie zahlen dann unabhängig von ihrem Einkommen und Vermögen pauschal eine Steuer von 100.000 Euro im Jahr.

"Wir haben Leute aus Großbritannien, der Schweiz, Russland, aus den USA, die üblichen Verdächtigen", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Fabrizio Pagani, Leiter des Büros des Ministers für Wirtschaft und Finanzen. Es seien auch Norweger und Holländer unter den Interessenten. Bei weitem nicht alle stammen aus dem Finanzbusiness. "Einige dieser Leute sind Kunstsammler. Wir sprechen über sehr, sehr reiche Leute."

Italien versucht nach Jahren der Rezession den Aufschwung zu beschleunigen. Ein adäquates Mittel erscheint Rom dabei, möglichst viele reiche Ausländer mit viel Geld nach Italien zu locken, um die Wirtschaft durch Investitionen, Konsum und frisches Kapital anzukurbeln.

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Länder wie Portugal haben bereits erfolgreich vermögende Privatpersonen durch Steuervergünstigungen anlocken und so ihre öffentlichen Finanzen stützen können. Das werde auch in Italien gelingen, ist Pagani überzeugt. Die Zahl der interessierten Ultra-Reichen, die das Angebot annehmen, dürfte noch "exponentiell wachsen"

Nach Einschätzung des Bürokraten werden sich viele der Superreichen vor allem in Mailand, Venedig oder nahe in der glanzvollen Gegend um die Seen am Fuße der Alpen niederlassen und den Wohlstand dieser Regionen damit deutlich mehren.

Um in den Genuss der steuerlichen Sonderbehandlung zu kommen, müssen die Superreichen nach früheren Berichten mehrere Bedingungen erfüllen: In den vorangegangenen zehn Jahren müssen sie davon mindestens neun nicht in Italien gelebt haben. Und sie müssen ihre Einkünfte außerhalb Italiens erzielen.

Zudem sind sie verpflichtet, ihren oder einen Wohnsitz in Italien anzumelden, womit Italien dann zum Steuersitz wird und die Pauschalsteuer von 100.000 Euro im Jahr erhoben werden kann. Die Pauschalsteuer lässt sich auf Familienmitglieder ausdehnen, Kinder und Ehegatten zahlen dann sogar nur noch 25.000 Euro.

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Trotz intensiver internationaler Bemühungen, das Steuerdumping einzudämmen - Steueroasen oder Länder mit niedrigsten Steuersätzen gibt es viele. Nur sind manche womöglich nicht mehr wirklich (rechts)sicher. Also versüßt Rom den Superreichen die Entscheidung zugleich mit einem besonderen Angebot: ein dauerhaftes Visum für eine Million Euro. Selbstredend würde die Regierung die These des erkauften Bleiberechts zurückweisen. Denn die Million muss ja schließlich investiert oder gespendet werden.

Mit den Wahlen am 4. März könnte sich indes noch manches ändern. Denn noch ist völlig unklar, wer am Ende die Nase vorn hat. Selbst Neuwahlen schließen Beobachter nicht aus. Gleichwohl gehört die "Flat Tax" auch für weniger Vermögende zum festen Wahlversprechen von Ex-Premier Silvio Berlusconi. Die mit ihm verbündete populistische Lega Nord würde die "Flat Tax" sogar auf 15 Prozent drücken. Das kostete den Staat mal eben 40 Milliarden Euro im Jahr , hat die "Neue Züricher Zeitung" errechnet.

Leisten kann sich Italien all diese Geschenke eigentlich nicht. Sei's drum - so lässt es sich gut leben - in "Bella Italia".

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