Donnerstag, 18. Oktober 2018

Donald Trump will Raumstation ISS privatisieren Die ISS für Touristen, zum Mars mit Nasa und Elon Musk

Internationale Raumstation ISS: Die USA wollen sich aus der Finanzierung des fliegenden Forschungslabors 400 Kilometer über der Erde zurückziehen und den Betrieb des US-amerikanischen Teils der Station privaten Investoren überlassen

Die US-Regierung will aus der Finanzierung der Internationalen Raumstation (ISS) aussteigen. Die amerikanischen Teile der Station sollten nach dem Jahr 2024 möglicherweise einem privaten Betreiber übertragen werden, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf interne Dokumente der US-Weltraumbehörde NASA. Um den Einstieg in den Ausstieg vorzubereiten, und die Entwicklung von Konzepten einer kommerziellen Nutzung zu unterstützen, hat die Regierung zunächst einmal 150 Millionen Dollar beantragt.

Ziel der US-Regierung unter Donald Trump sei es, den erdnahen Orbit zu einer Umgebung für "nicht-staatlichen menschlichen Weltraumflug" zu machen, in der "die NASA einer von vielen Kunden ist", zitiert die Zeitung aus dem Dokument.

Der Plan Trumps ist umstritten: Die USA könnten die Station nicht im Alleingang privatisieren, weil sie an internationale Abkommen gebunden sind, wenden Kritiker ein. Neben den USA und Russland sind einige europäische Länder sowie Kanada und Japan an der Raumstation beteiligt. Andere kritisieren die Zweckentfremdung der ISS: "Sie ist für die Erforschung von Wissenschaft und Menschen gebaut und nicht für das Profitstreben", sagte Andrew Rush, Geschäftsführer von Made In Space - ein Unternehmen, das 3D-Druckobjekte auf der Raumstation herstellt.

Der Flugzeugbauer Boeing ist seit 1995 an der Station beteiligt, er betreibt den US-amerikanischen Teil der ISS für die Nasa. Boeing-Manager Mark Mulqueen hält einen Ausstieg aus der staatlichen Finanzierung für einen schweren Fehler, der "katastrophale Folgen" haben könnte: für die USA als führende Raumfahrtnation und den Aufbau privater Raumfahrtunternehmen.

Politischer Widerstand gegen den Plan

Der Plan Trumps stößt nicht zuletzt auf politischen Widerstand. Schließlich haben die Vereinigten Staaten bislang rund 100 Milliarden Dollar an Steuergeld ausgegeben, um die Raumstation zu bauen und zu betreiben. "Es ist das Dümmste, was wir tun können, Programme nach Milliardeninvestitionen abzusagen, wenn sie noch von Nutzen sind", zitiert die "Washington Post" den republikanischen Senator Ted Cruz aus Texas. In dem Bundesstaat hat das Johnson Space Center der Nasa seinen Sitz.

Nach den Vorstellungen Trumps sollten die USA jenseits der ISS künftig eigene Raumfahrtpläne verfolgen: Um Astronauten auf den Mond und den Mars schicken zu können, plant die Nasa früheren Berichten zufolge eine neue Raumstation. Sie soll die Erde umkreisen und von dort aus Landungen auf dem Mond oder tiefere Flüge ins All ermöglichen. Die drei bis vier Milliarden Dollar, die die Nasa jetzt jährlich in den Betrieb der ISS investiert, sieht Trump in den Aufbau dieser eigenen Station vermutlich besser investiert.

Ob der Impuls des US-Präsidenten dabei womöglich auch von den Weltraumplänen der US-Topmanager Elon Musk und Jeff Bezos herrührt, ist nicht überliefert - auszuschließen ist das aber nicht. Beide betreiben mit Space X (Musk) und Blue Origin (Bezos) ein Raumfahrtunternehmen und wollen die bemannte Raumfahrt kommerzialisieren. Viel hängt dabei von der Wiederverwendbarkeit der Raketen ab, die solch eine Reise ins All oder auf einen fremden Planten irgendwann einmal für reiche Touristen ermöglichen soll.

Musk war mit seinem Unternehmen Space X kürzlich erst der spektakuläre Jungfernflug einer "Falcon Heavy" gelungen. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Die drei Antriebsraketen kehrten zur Erde zurück. Die in Entwicklung befindliche Nachfolgerakete, die "Big Falcon Rocket", soll irgendwann auch bemannte Weltraum-Missionen ins All ermöglichen. Der Mars ist das erklärte Ziel von Elon Musk.

Trump hat das gleiche Ziel im Blick, welchen greifbaren Nutzen auch immer sich der US-Präsident und der Himmelsstürmer Musk davon versprechen.

mit dpa

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