Dienstag, 21. November 2017

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Hurrikan fordert immer mehr Tote 37 Millionen Menschen zittern vor "Irma"

Gewaltige Natur: Auswikung des Sturms Irma auf der Karibikinsel Sint Maarten
REUTERS/ Netherlands Ministry of Defence
Gewaltige Natur: Auswikung des Sturms Irma auf der Karibikinsel Sint Maarten

Der Monster-Sturm "Irma" zieht eine Spur der Verwüstung durch die Karibik. Die Zahl der Toten steigt kontinuierlich. Millionen Menschen sind ohne Strom. In Florida in den USA laufen die Massenevakuierungen.

Die Zahl der Toten durch den Hurrikan "Irma" ist auf mindestens zwölf gestiegen. Während der Wirbelsturm mit unverminderter Wucht durch die Karibik in Richtung Kuba und Florida fegte, wurden mindestens vier Menschen auf den Amerikanischen Jungferninseln getötet, wie Behördenvertreter des zu den USA gehörenden Gebiets am Donnerstag (Ortszeit) mitteilten. Mindestens zwei Todesopfer wurden aus Puerto Rico gemeldet.

Im Video: Irma verwüstet die Karibik

In dem US-Außengebiet war mehr als die Hälfte der drei Millionen Einwohner ohne Strom. Angesichts von Überschwemmungen im Zentrum und im Norden der Insel mobilisierte der Gouverneur von Puerto Rico, Ricardo Rossello, die Nationalgarde. Zudem ließ er Notunterkünfte für bis zu 62.000 Menschen einrichten.

Zuvor hatte der Wirbelsturm bereits verheerende Zerstörungen auf den Urlaubsinseln Saint-Martin, Saint Barthélemy und Barbuda angerichtet. Im französischen Teil von Saint-Martin wurden vier Tote und rund 50 Verletzte gezählt. In Sint Maarten, dem niederländischen Teil der Insel, wurde ein Mensch getötet, wie die Regierung in Den Haag bekannt gab. Ein Todesopfer gab es auf Barbuda. Damit stieg die Gesamtzahl der Opfer auf mindestens zwölf.

Mindestens 37 Millionen Menschen sind von Irma betroffen

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte in der Nacht auf Freitag Haiti und sollte dann weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida ziehen. "Irma" ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde.

Die Karibikinsel Haiti wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. In der Stadt Ouanaminthe an der Grenze zur Dominikanischen Republik standen die Häuser bis zu 30 Zentimeter unter Wasser, wie der Zivilschutz mitteilte. Zwei Menschen wurden verletzt, als eine entwurzelte Kokospalme auf ihr Haus in der Nähe der Hafenstadt Cap-Haïtien stürzte.

Um 23 Uhr (MESZ) befand sich das Auge des Sturms nur wenige Kilometer nördlich von Haiti und bewegte sich auf die Bahamas zu. Viele Menschen hoffen nun, dass die Schäden durch "Irma" in Haiti weniger groß ausfallen als zunächst befürchtet.

In Haiti leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan "Matthew" im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. "Mit jeder Naturkatastrophe verschlechtert sich die Lage der Menschen", sagte Catherine Stubbe von der Hilfsorganisation Handicap International. "Wenn sie sich gerade von einem Unglück erholt haben, kommt das nächste."

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Auch zahlreiche Karibikurlauber waren vom Hurrikan betroffen. In der Dominikanischen Republik brachten die Behörden rund 7500 Touristen in Sicherheit. In Kuba wurden rund 36.000 Urlauber von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Experten rechnen damit, dass "Irma" am Wochenende auf Florida trifft. Die Vorhersagen der Meteorologen schwanken allerdings und können sich ändern. Nach letzten Modellen könnte Miami voll von "Irma" erfasst werden. Gouverneur Rick Scott rief die Einwohner des US-Bundesstaates zu äußerster Vorsicht auf. Der bevorstehende Sturm sei in vielen Teilen Floridas lebensgefährlich.

Florida bereitet sich auf "Irma" vor

In den Küstengebieten Floridas und des Nachbarstaates Georgia erhielten bis zu eine Million Menschen die Anordnung, ihre Häuser zu verlassen. Es war Medienberichten zufolge die größte Massenevakuierung seit mehr als einem Jahrzehnt. Wie die Nachrichtenagentur AP und der US-Sender CNN berichteten, kam es aufgrund der Evakuierungen zu Chaos auf den Straßen: Auf den Highways stauten sich demnach Tausende Autos und kamen nur extrem langsam vorwärts.

US-Fluggesellschaften versuchen vor dem Eintreffen des Hurrikans "Irma" in Florida so viele Kunden wie möglich aus dem Gefahrengebiet herauszufliegen. American Airlines bietet 16 zusätzliche Flüge von Miami an. Delta Air Lines stellt mehr und größere Flugzeuge bereit, um so die Zahl der verfügbaren Plätze um 2000 zu erhöhen. United Airlines nahm sechs zusätzliche Flüge in seinen Plan auf. Alle drei Airlines wollen bis Freitagabend ihren Flugbetrieb in Florida weitgehend einstellen.

Der Energieversorger Florida Power & Light nimmt wegen des heranziehenden Wirbelsturms vorsorglich zwei Atomkraftwerke vom Netz. "Wir werden sie sicher herunterfahren", sagte Unternehmenssprecher Rob Gould. Die Atomkraftwerke Turkey Point und St. Lucie liegen an der Atlantikküste Floridas rund sechs Meter über dem Meeresspiegel.

Hinter "Irma" kommen "Jose" und "Katia"

Der Sturm "Jose", der hinter "Irma" im Atlantik seine Bahn zieht, wurde in der Nacht zum Freitag vom Hurrikanzentrum der USA als Hurrikan der Stufe 3 hochgestuft. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometern pro Stunde 955 Kilometer östlich der Kleinen Antillen. In seinem Zug könnten auch die Inseln Antigua und Barbuda liegen. Vor allem auf Barbuda wurde durch "Irma" bereits schwer verwüstet.

In der Gegend wütet zudem der Tropensturm "Katia", der derzeit auf Kategorie 1 eingestuft ist. Es wird erwartet, dass "Katia" vor Freitag die Küste des mexikanischen Bundesstaates Veracruz erreicht.

rei/aar mit Nachrichtenagenturen

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