Dienstag, 6. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Indien nach der Wahl "Modi wird viele Blockaden beseitigen"

Narendra Modi: "Modi als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat bewiesen, wie gut seine Politik wirken kann. Zudem wird er - das zeigt die absolute Mehrheit im Parlament - von einer breiten Stimmung im Land getragen"

In Deutschland mag Indiens neuer Ministerpräsident Narendra Modi umstritten sein. Doch in dem riesigen Schwellenland herrscht Euphorie. Vor allem die Wirtschaft erwartet Auftrieb und Wachstum. Zu Recht, sagt Indien-Experte Wilfried Aulbur - und erklärt, warum auch deutsche Unternehmen jetzt in Indien investieren sollten.

mm: Herr Aulbur, die Stimmen in Indien sind gezählt. Die 814 Millionen Wahlberechtigten haben sich mit großer Mehrheit für die BJP des auch in der Wirtschaft sehr beliebten Narendra Modi entschieden. Lohnt es sich für westliche Investoren jetzt wieder, sich stärker in Indien zu engagieren?

Aulbur: Auf jeden Fall. Indiens Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten. Eine Reihe von Korruptionsskandalen hatten das Vertrauen in die Behörden und die alte Regierung erschüttert, die Wachstumsrate hat sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert. Modi wird in dieser leicht deprimierenden Situation für neuen Auftrieb sorgen.

mm: Fünf Jahre Stagnation, dann kommt ein neuer Ministerpräsident, und alles wird wieder gut? Können Unternehmen bei ihren Investitionsentscheidungen wirklich auf den Einfluss eines einzelnen, ihnen noch nicht wirklich bekannten Politikers vertrauen?

Aulbur: Es ist deutlich mehr als das. Ich sehe drei Hauptgründe für eine Besserung der wirtschaftlichen Situation in Indien. Erstens hat Modi als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat bewiesen, wie gut seine Politik wirken kann. Zweitens wird er - das zeigt die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament - von einer breiten Stimmung im Land getragen. Die Menschen werden optimistischer, das wird sich relativ schnell in einem steigenden Konsum niederschlagen. Und drittens sind die Grundlagen schon gelegt.

mm: Das bedeutet?

Aulbur: Die alte Regierung hat zum Beispiel im Spätsommer 2013 einige große Projekte frei gegeben, von denen Modi jetzt profitieren wird. Und der Supreme Court, also der oberste Gerichtshof, hat im April den Abbau von Eisenerz in Goa erlaubt. Das wird die stark schwächelnde Nachfrage vor allem nach schweren Lkw wieder ankurbeln. Ich könnte noch mehr Beispiele aufzählen. Die indische Rupie hat bereits positiv reagiert und ist in den vergangenen Monaten nach einer längeren Schwächeperiode wieder erstarkt.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH