Freitag, 16. November 2018

Massive Proteste, leere Geschäfte Hongkongs Wirtschaft leidet

Folgen der Proteste: Die leeren Straßen von Hongkong
REUTERS

2. Teil: "Schlimmer als Sars"

"Das hier ist schlimmer als Sars", sagt ein Juwelier, der seinen Namen nicht nennen will. 2003 hatte der Ausbruch der Lungeninfektionskrankheit in Hongkong das Geschäftsleben für Wochen zum Erliegen gebracht. In der Metropole beschäftigen 320.000 Familienbetriebe über 1,3 Millionen Arbeiter - kein kleiner Anteil der etwa 7 Millionen Gesamtbevölkerung der Sonderwirtschaftszone. Sollten sich Hongkongs kleine Leute von den Protesten abwenden, könnte das für die Occupy Central Bewegung ernste Folgen haben, warnen Aktivisten des Tiananmen-Platzes in Peking.

1989 hatten Tausende Demonstranten über Wochen den Platz des Himmlischen Friedens in Peking besetzt und mehr Demokratie gefordert. Schließlich ließ das Regime das Protestlager zusammenschießen, mehrere Tausend Menschen sind vermutlich dabei getötet worden.

Dass es in Hongkong keinen großen Versammlungsort wie den Tiananmen gebe, könnte sich für die Demonstranten negativ auswirken, warnte Chai Ling, die in Peking eine der Anführerinnen des Sit-in war. "Die Leute, die zur Arbeit gehen wollen, müssen zur Arbeit gehen können", sagte sie der Agentur Reuters.

"Wenn es zu lange dauert, wird es das Leben der normalen Leute beeinträchtigen, und die Bewegung wird sich Widerstand von einem Gutteil der Bevölkerung ausgesetzt sehen", sagte Yang JianLi, der als Student auf dem Tiananmen demonstrierte und heute eine Lobby-Gruppe für Demokratie in China in Washington leitet.

Je länger sich die Proteste hinziehen, desto geringer scheint ihre Aussicht auf Erfolg. Das scheint man auch im Amtssitz der Regierung verstanden zu haben. Der unter Druck stehende Regierungschef Leung Chun-Ying spielt klar auf Zeit. In der Nacht zum Freitag ließ er ein Ultimatum für seinen Rücktritt verstreichen, nahm den erbosten Demonstranten dann aber den Wind aus den Segeln, indem er ihnen direkte Gespräche mit der Regierung anbot.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH