Donnerstag, 15. November 2018

Hurrikan "Harvey" Explosionen in überfluteter Chemiefabrik bei Houston

Sturm "Harvey": Der Pegel sinkt, die Kosten steigen
DPA

Behörden und Anwohner im überschwemmten Houston hatten es befürchtet. Jetzt kam es in einer Chemiefabrik nahe der texanischen Hauptstadt zu mehreren Explosionen. Auch der Chemieriese BASF muss in Texas eine Fabrik herunterfahren. Der US-Bundesstaat rechnet mit Wiederaufbaukosten von mehr als 125 Milliarden Dollar.

"Die in der Fabrik genutzten Chemikalien haben sich erhitzt, nachdem die Stromversorgung zur Kühlung der Anlage ausgefallen war", sagte der Geschäftsführer des französischen Petrochemie-Konzerns Arkema. Nach dem starken Regen stehe die Fabrik knapp zwei Meter unter Wasser.

Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern waren nach Angaben der örtlichen Behörden schon in Sicherheit gebracht worden. Arkema stellt in dem 40 Kilometer nordöstlich von Houston gelegenen Ort Crosby organische Peroxide her, die bei niedrigen Temperaturen gelagert werden müssen.

Inzwischen hat "Harvey" den Staat Louisiana erreicht. Das US-Hurrikan-Zentrum stufte den Sturm in der Nacht zum Donnerstag aber zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herab.

BASF fährt Fabrik in Texas herunter

"Harvey" beeinträchtigt indes auch die Produktion von BASF in Texas. Am Verbundstandort in Freeport seien aufgrund von Engpässen bei der Rohstoffversorgung einige Anlagen heruntergefahren worden, erklärte eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstag. Der Standort in Port Arthur laufe derzeit mit reduzierten Kapazitäten. Dort betreibt BASF einen der weltgrößten Steamcracker. Port Arthur und Freeport sind die beiden größten und wichtigsten von insgesamt sechs Standorten von BASF in Texas. Der Konzern beschäftigt in dem Bundesstaat rund 3000 Mitarbeiter.

Wassermassen umgeben die Fabrik des Petrochemie-Konzerns Arkema in Crosby nahe der texanischen Hauptstadt Houston (USA) .

Texas braucht wohl 125 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau

Für den Wiederaufbau nach dem Tropensturm "Harvey" braucht Texas womöglich weit mehr als 125 Milliarden Dollar von der US-Regierung. Die Summe, die 2005 New Orleans nach dem Hurrikan "Katrina" zur Verfügung gestellt wurde, werde vermutlich nicht ausreichen, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, am Mittwoch. Denn das überschwemmte Gebiet sei größer als das vor zwölf Jahren.

"Das Schlimmste ist noch nicht vorübern"

"Harvey" brachte tagelange sintflutartige Regenfälle über Texas. Es war der stärkste Hurrikan in Texas seit mehr als 50 Jahren. Mittlerweile wurde er zum Tropensturm herabgestuft und ist nach Louisiana weitergezogen. Allerdings warnte das Nationale Hurrikan-Zentrum, die "katastrophalen und lebensbedrohlichen Überschwemmungen" würden in und um Houston, Beaumont/Port Arthur und weiter östlich im Bundesstaat Louisiana den Rest der Woche anhalten.

"Was den Regen angeht, da ist das Schlimmste für den Südosten von Texas noch nicht vorüber", sagte Gouverneur Abbott. Er forderte, die Bundesregierung müsse für den Wiederaufbau von Texas' Golf-Region mehr Hilfen bereitstellen als bei früheren Wirbelstürmen.

Rei/dpa/Reuters

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