Freitag, 15. Dezember 2017

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Klimaschutz Auch Briten wollen Diesel und Benziner ab 2040 verbieten - und was macht Deutschland?

In 23 Jahren soll auf den Straßen von Großbritannien möglichst keine Auto mehr mit Verbrennungsmotoren fahren, zumindest sollen keine Autos mehr mit dieser Antriebsart neu zugelassen werden

Ab 2040 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr auf den Straßen - Frankreich spricht sich dafür aus, jetzt zieht Großbritannien offenbar nach. Selbst Hybridautos sollen dann keine Zulassung mehr bekommen. Wegen der jüngsten Entwicklung gerät die Politik in Deutschland unter Druck. Erste Vertreter von CDU und den Linken fordern schnell klare Zeitvorgaben für Verbrenner-Verbote auch in Deutschland.

Großbritannien will ab 2040 den Verkauf von Diesel-Fahrzeugen und Benzinern verbieten. Die britische Regierung werde das Vorhaben am Mittwoch bekanntgeben, berichten mehrere britische Tageszeitungen vorab.

Zum Klimaschutz sollten auch Hybridautos, die sowohl über einen Elektro- als auch über einen Benzin- oder Dieselmotor verfügen, nicht mehr zugelassen werden, schreibt zum Beispiel berichtete die "Times". Auf britischen Straßen seien dann nur noch Elekroautos erlaubt. Das Umweltministerium in London war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Auch Frankreich plant ein Verbot von Diesel- und Benzinautos ab 2040.

Erst vor knapp drei Wochen hatte Frankreich seine Pläne für ein Verbot von Diesel- und Benzinautos ab 2040 bekanntgegeben. Norwegen hat sich sogar vorgenommen, dass ab 2025 alle Neuwagen emissionsfrei sein sollen. Hier wurden im Juni sogar erstmals mehr Hybrid- und Elektroautos zugelassen als Autos mit Verbrennungsmotoren.

In Deutschland ist ein Verbot von Verbrennungsmotoren derzeit nicht konsensfähig. Zwar setzen sich die Grünen für so ein Verbot ab 2030 ein. Kritik an dieser Forderung kommt jedoch aus der Industrie und aus den eigenen Reihen der Grünen. Zuletzt warnten die Forscher vom Ifo-Institut vor einem Verbot von Verbrennungsmotoren in Deutschland. Die Ökonomen ermittelten rund 600.000 Arbeitsplätze in Deutschland, die nach heutigem Stand direkt oder indirekt von einem Aus für Benziner und Diesel betroffen wären.

Das Dilemma: Zugleich hinkt Deutschland bei der Zulassung von Hybrid- und Elektroautos vielen Ländern in Europa hinterher, kommen trotz großzügiger Kaufprämien nur verschwindend wenige neue Elektroautos auf die Straßen.

Doch mit der jetzt terminierten Verbrenner-aus in Frankreich und Großbritannien scheint mehr Bewegung in die Diskussion über ein Verbot auch in Deutschland zu kommen:

CDU- und Linken-Politiker fordern Zeitvorgaben für Verbrenner-Verbote

Politiker von CDU und Linken fordern klare zeitliche Vorgaben für die Abkehr von Benzin- und Diesel-Autos auf deutschen Straßen. "Den Abschied von der Verbrennungstechnologie werden wir kurzfristig einleiten müssen", sagte der CDU-Verkehrspolitiker Oliver Wittke am Mittwoch im Deutschlandfunk. Es gehe nicht an, dass Großbritannien hier den "Taktgeber" spiele, das europäische Automobil-Land schlechthin aber hinterherhinke, erklärte er. Deutschland müsse, nach Möglichkeit in Absprache mit seinen europäischen Partnern, hier eine verbindliche Absprache treffen. Der richtige Zeitpunkt für einen Ausstieg sei dabei noch zu klären.

Auch der Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens forderte im ARD-Morgenmagazin klare zeitliche Entscheidungen für eine Abkehr von fossilen Energieträgen im Verkehr. Nach Einschätzung von Experten wird die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin unter dem Druck schärferer Klimavorschriften im kommenden Jahrzehnt allerdings sinken. Angesichts der höheren Kosten und geringeren Reichweite machen Elektroautos aber nach wie vor nur einen Bruchteil der Autoverkäufe aus.

Daimler und Volkswagen peilen an, bis 2025 rund ein Viertel ihres Pkw-Absatzes mit Elektroautos zu bestreiten. Der schwedische Autobauer Volvo, eine Tochter der chinesischen Geely, hatte jüngst den Abschied von Benzin- und Dieselmotoren in Aussicht gestellt. Eine Elektroauto-Revolution kündigte Volvo bei genauerem Blick damit allerdings nicht an. BMW teilte am Dienstag mit, den angekündigten Elektro-Mini in Großbritannien fertigen zu wollen.

rei mit Nachrichtenagenturen

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