Mittwoch, 29. Juni 2016

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Forscher und Fracking Schiefergas-Streit spaltet Deutschland

Rohstoffsuche: Dem Schiefergas auf der Spur
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Corbis

Für die einen ist es ein Geschenk Gottes, für die anderen Teufelszeug: Schiefergas, zu Tage gefördert durch die umstrittene Methode Fracking, spaltet Deutschland. Inmitten der hitzigen Debatte erkundet eine Spezialeinheit von Geologen die Vorkommen.

Bückeburg - Im alten Steinbruch bei Bückeburg klopft Stefan Ladage mit seinem Geologenhammer gegen einen schwarzen Schieferbrocken. Sofort zerfällt er sauber in zwei Teile - entlang einem der Risse im Gestein. "Um unter Tage da heranzukommen, ist schon etwas mehr Aufwand nötig", sagt der Wissenschaftler und lacht.

Auf diese Risse im Fels haben es Ladage und seine Mitarbeiter von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen (BGR) aus Hannover abgesehen. Denn in den winzigen Zwischenräumen lagert womöglich deutschlandweit ein Milliardenschatz - Schiefergas. Und seit ein paar Jahren gibt es einen Weg, ihn zu heben: Fracking.

Lange galten Felsen wie in Bückeburg als uninteressant. Es war viel zu teuer, die darin enthaltenen Rohstoffe zu fördern. Doch inzwischen holen Explorationsunternehmen Gas in den USA auf günstige Weise aus dem Untergrund. Schlüssel zum Erfolg ist die umstrittene Fördermethode Fracking, bei der eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien den Stein aufbricht und Gas nach oben strömen lässt.

Große Hoffnungen in den USA

In den USA hat das Verfahren die Energiewirtschaft auf den Kopf gestellt. Billiges Gas senkt die Abhängigkeit vom Ausland, dämpft den Strompreis und lässt Amerika von einer neuen industriellen Revolution träumen. Vor allem die Chemiebranche preist Fracking, sie nutzt Gas als Grundstoff. Umweltschützer warnen dagegen vor einer Verschmutzung des Trinkwassers, und manche Ökonomen halten die Lobgesänge für zu laut.

Doch angespornt von den Erfolgen in Amerika, erkunden Konzerne wie ExxonMobil, ob sich die Sache auch in Deutschland lohnt. Die Bundesregierung will ebenfalls wissen, welche Reserven unter der Erdoberfläche schlummern und ob eine Bonanza wie in den USA möglich ist. Deshalb schickt sie eigene Forscher los - in verlassene Steinbrüche, aber auch mitten in eine hitzige Debatte über Energiepolitik und Umweltschutz.

Ihr Anführer strahlt vor allem eins aus: Gelassenheit. Gemächlich stapft Ladage durch den alten Steinbruch im Wesergebirge. Unter dem Helm schaut eine etwas lang gewordenen Kurzhaarfrisur hervor, unter der neongelben Sicherheitsweste trägt er Outdoorjacke und Karohemd.

"Es ist Sache der Unternehmen, die besten Lagerstätten zu finden", sagt Ladage mit ruhiger Stimme. "Wir machen die Grundlagenforschung." Das ist kein Typ "gieriger Schatzsucher", eher das komplette Gegenteil. Dollarzeichen sind hinter der Halbrandbrille beim besten Willen nicht zu erkennen. Den Leuten erklären, was unkonventionelle Kohlenwasserstoffe sind, das will er. Der Wissenschaftler sieht sich in einer neutralen Position.

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