Sonntag, 28. August 2016

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mm-Konjunkturindikator Der Flüchtlingsboom als Konjunkturprogramm

Lange Schlange: Die meisten Asylbewerber stehen dem Arbeitsmarkt noch lange nicht zur Verfügung

Viele Beobachter gehen davon aus, dass der gegenwärtige Zustrom an Flüchtlingen die Arbeitslosigkeit erhöhen wird. Längerfristig mag dies der Fall sein. Das hängt davon ab, ob eine Qualifizierung der Flüchtlinge für den deutschen Arbeitsmarkt gelingt.

Wichtig sind außerdem die Eintrittsbarrieren zum Arbeitsmarkt. Für viele Geringqualifizierten dürfte der Mindestlohn von 8,50 Euro bereits zu hoch sein, deshalb sollte die Politik über eine Absenkung nachdenken. Keinesfalls sollte die von der Bundesregierung bestellte Mindestlohnkommission, die Mitte dieses Jahres zum ersten Mal zusammentritt, eine Erhöhung der gesetzlichen Lohnuntergrenze beschließen.

Das wird der Kommission allerdings nicht leichtfallen. Denn am Arbeitsmarkt stehen die Zeichen weiter auf Boom. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ist vorerst nicht zu rechnen. Dazu trägt indirekt der Flüchtlingszustrom selbst bei. Denn für die Versorgung, Unterbringung, Integration und Administration der Flüchtlinge dürften Bund, Länder und Kommunen im laufenden und im kommenden Jahr jeweils 15 Milliarden Euro ausgeben.

Wie die Flüchtlinge für geringere Arbeitslosenzahlen sorgen

In Relation zum Bruttoinlandsprodukt ist das jeweils ein halbes Prozent. Da kompensierende öffentliche Einsparungen nicht geplant sind, wirkt der Flüchtlingszustrom wie ein mittleres kreditfinanziertes Konjunkturprogramm, das die Konjunktur zusätzlich stimuliert.

Mit der besseren Konjunktur wird sich auch die Personalnachfrage der Unternehmen weiter erhöhen. Die Flüchtlinge werden diese Mehrnachfrage selbst jedoch überwiegend nicht befriedigen können, da sie dem Arbeitsmarkt zumeist noch nicht zur Verfügung stehen.

Sofern sie noch nicht als Asylbewerber registriert sind, dürfen sie überhaupt nicht arbeiten, anschließend gilt für registrierte Asylbewerber ein dreimonatiges Beschäftigungsverbot. Bisherigen Erfahrungen zufolge stehen nur rund 20 Prozent der Asylbewerber dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Das dürfte natürlich auch an Sprachbarrieren und fehlender oder zumindest für den deutschen Arbeitsmarkt nicht passender Qualifikation liegen.

Es dürfte daher bis ins nächste Jahr hinein dauern, bis sich der Flüchtlingszustrom am Arbeitsmarkt bemerkbar macht.

Im Ergebnis dürfte das "Konjunkturprogramm" zur Unterstützung der Flüchtling zusammen mit der langen Zeit, die vergehen dürfte, bis diese dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, dazu führen, dass die registrierte Arbeitslosigkeit im Jahr 2016 deutlich sinkt und die Konjunktur besser läuft, als es ohne den Flüchtlingszustrom der Fall gewesen wäre. Der mm-Indikator zeigt dies mit einem Wert von 3 Prozent für den Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2016 bereits heute an.


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Direkt zum mm-Konjunkturindikator:
Die aktuellen Prognosen auf einen Blick
Die historischen Prognosen von 2010 bis 2014


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