Montag, 17. Dezember 2018

Rollenspiele und Schulung von Politikberater Wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg Demut übt

Mark Zuckerberg: Am Dienstag und Mittwoch muss sich der Facebook-CEO vor dem US-Kongress verantworten.

Die kommende Nacht wird Facebook-Chef Mark Zuckerberg wahrscheinlich ziemlich wenig Schlaf finden. Und das dürfte diesmal nicht - oder zumindest nicht ausschließlich - dem unruhigen Schlaf seiner Kinder geschuldet sein. Am Dienstag und Mittwoch steht dem 33-Jährigen Facebook-CEO der wohl schwerste Gang seiner Karriere bevor. Er muss sich gleich vor mehreren Kommittees des US-Kongresses ungemütlichen Fragen stellen: Wie es passieren konnte, dass das britische Unternehmen Cambridge Analytica Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern für seine fragwürdigen Zwecke missbrauchen konnte.

Für den alles anderes als geschmeidigen Zuckerberg eine Art Höllenritt, hat er derartige Auftritte bislang doch nach Möglichkeit gemieden. Statt selbst seinen Kritikern Rede und Antwort zu stehen, schickte er lieber seine Geschäftsführerin Sheryl Sandberg oder andere hohe Krisenmanager vor. Auch vor einem Ausschuss des britischen Parlamentes ließ sich Zuckerberg entschuldigen.

Ein Händchen für den Umgang mit der Öffentlichkeit hatte er bislang nicht. Bis er sich selbst zum Skandal um Cambridge Analytica äußerte, dauerte es Tage. Und den Vorwurf, dass über Facebook verbreitete Fake-News den Wahlausgang in den USA beeinflusst haben könnten, tat Zuckerberg zunächst schlicht als "verrückt" ab.

Rollenspiele für den Ernstfall

Doch diesmal muss Zuckerberg selbst ran - und trainiert dafür offenbar schon seit Tagen. Zusätzlich zur rund 500 Mitarbeiter starken Facebook-Politik- und Kommunikationsabteilung hat sich Zuckerberg dafür laut "New York Times" die Hilfe von externen Beratern der Kanzlei WilmerHale eingekauft, die ihn auf das zweitägige "Grillen" im Kongress vorbereitet sollen. An zentraler Stelle offenbar mit dabei: der ehemaliger Berater von US-Präsident George W. Bush, Reginald J. Brown.

In Rollenspielen soll dabei versucht werden, "Zuck" für das zweitätige Verhör zu präparieren. Und der Facebook-Gründer so auf mögliche Fragen der Abgerdneten vorbereitet und darin geschult werden, wie er mit Unterbrechungen und Rückfragen am besten umgeht.

Erklärtes Ziel: Der 33-Jähige soll so offen, demütig und angenehm rüberkommen wie möglich - ohne zu sehr in die Defensive zu geraten. Sein graues Hoodie und die Adileten wird er dafür wohl eher zu Hause lassen.

Denn auch wenn Zuckerberg aufgrund der vielen Skandale und Skandälchen der vergangenen Jahre reichlich Erfahrung im Entschuldigen hat. Keiner hat Facebook in einer so tiefe Krise katapultiert wie der offenbar millionenfache Missbrauch von Cambridge Analytica.

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